Im Sommer - ich glaube, es war 1996 - fuhr ich in meinem klapprigen, aber heiß geliebten alten Volvo rund um den Luberon. Das ist eine Bergkette in Südfrankreich, an der sich Geschichte irgendwie zu konzentrieren scheint.
An einer Ruinenstadt, deren grasige Gassen einen grauen Fels hochwucherten, stieg ich aus dem Auto. Es war um die Mittagszeit, die Touristen saßen alle in der bar de tabac. Es war ganz still. Ich setzte mich in den Schatten einer halb zerfallenen Kirche ganz oben auf. Und ganz plötzlich sah ich Szenen wie aus einem Film vor mir: Menschen, die schreiend aus ihren Häusern laufen, Soldaten, Feuer... ich hörte die Schreie, Glocken läuteten. Ganz kurz nur, eine Einbildung, ein Spuk.
Vor fünfhundert Jahren war diese Stadt in einer einzigen Nacht in Schutt und Asche gelegt worden. Etwas von einem Eifersuchtsdrama hatte ich auf einer Tafel unten im Tal gelesen: Ein Massaker als Rache für eine abgewiesene Liebe. Romantischer Unsinn, oder? Ich habe mich nie besonders für Geschichte interessiert, doch nun wollte ich auf einmal wissen, was hier wirklich geschehen war. Und ich fing an, Geschichtsbücher zu lesen. Die Art von Büchern, die Alltagsleben, nicht Heldentaten, beschreiben. Und schließlich fing ich an, selbst historische Romane zu schreiben.
Weil mich fasziniert, wie Menschen so sind. Was sie antreibt. Damals wie heute. Nur dass man Ereignisse aus weiter Entfernung klarer sieht. Mich interessiert die Geschichte von Ideen. Woher kommen Denkweisen, Ausdrucksweisen, Reaktionen? Warum man geglaubt hat, dass Frauen weniger wert sind als Männer. Warum man meint, dass Arbeit Menschen bessert, egal wie stupid sie ist. Manchmal versteht man sogar sich selbst , wenn man begreift, woher man kommt.
Deshalb schreibe ich historische Romane.
Daneben male ich, arbeite als freie Journalistin fürs Radio - und ich mache bei MissTilly mit.
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