Wissenswertes

Tschüss Superfrau

Wieso bleibt immer alles an mir als Frau hängen?

Von: Bärbel Kerber

vom 14.12.15

Wer hat es nicht auch gründlich satt, abends erschöpft ins Bett zu sinken und sich zu fragen: „Was mache ich eigentlich falsch?“ Und wer quält sich nicht auch mit der Frage, wieso eigentlich Kinder nur für Frauen zu Karrierebremsen werden?


Warum ist es so schwer als Frau – auch heute noch – den eigenen Weg zu gehen? Das Buch „Und was jetzt? - Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ beleuchtet die äußeren Konflikte und inneren Zweifel, denen wir Frauen uns ausgesetzt fühlen. Und es zeigt, wie man sich dagegen wehren kann. Hier kommt ein Auszug, in dem es darum geht, wie man sich vor seinen eigenen Ansprüchen, Haushalt und Kindererziehung lässig zu wuppen, schützen kann:

 

Immer zuständig für alles?


„Wir Frauen manövrieren uns täglich in eine Pflichtkrise. Das bedeutet: Wir sind ständig im Zwiespalt zwischen unseren eigenen Bedürfnissen und den Regeln, die für uns Frauen gelten: also möglichst aufopfernd für andere da zu sein und ihnen alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Im Endeffekt läuft es meist darauf hinaus, dass wir unsere eigenen Belange hintanstellen, und weil die Zeit knapp ist, kommen diese stets zu kurz. So verschieben wir zum x-ten Male unseren Friseurtermin, sagen der Freundin die Verabredung ab, zahlen brav unsere Beiträge im Fitnessclub, ohne jemals hinzugehen, und finden es auch noch normal. Dabei sind wir selbst schuld daran, wenn wir uns so vernachlässigen.


Sie sind und fühlen sich für alles verantwortlich? Sie sind es, die immer die Einkaufsliste zusammenstellt? Dann lassen Sie es künftig einmal für eine Weile sein. Sagen Sie stattdessen auf die Frage Ihres Partners, was er einzukaufen hat: »Ich weiß auch nicht, was fehlt. Schau doch mal in den Kühlschrank.« Sie organisieren stets, was auf den Familienausflug mitgenommen werden muss, hetzen durch das Haus, die Arme voller Jacken, Getränke, Wickeltasche, während der Rest der Familie ungeduldig im Auto auf Sie wartet? Dann verkneifen Sie sich das die nächsten Male und warten, was passiert. Es wird nämlich keine Katastrophe eintreten: Wenn die Kinder durstig sind, kaufen Sie einfach unterwegs etwas. Das Baby muss eben eine Weile in seiner gefüllten Windel ausharren. Wenn es Ihren Mann stört, dass er quengelnde, weil hungrige oder frierende Sprösslinge bei Laune halten muss, wird er ja vielleicht das nächste Mal mitdenken und selbst die Vorbereitungen mit treffen.


Kein schlechtes Gewissen


Es ist ja so bequem für die Männer, wenn all diese Dinge immer unaufgefordert, wenn auch innerlich schmollend, wir Frauen übernehmen. Man kann ihnen deshalb nicht einmal einen Vorwurf dafür machen. Aber man kann sie dazu bringen, mehr mitzuhelfen.


Die Chance ist dabei groß, dass es niemanden wirklich stört, wenn die Hälfte der Sachen zu Hause vergessen wurde, oder wenn es nicht so aufgeräumt und geputzt ist wie üblich. Gerade Männer haben hier erstens die Gabe, zu improvisieren, wo es nur geht. Zweitens können sie in Gemütsruhe ihre Zeitung lesen, während um sie herum – zumindest in unseren Augen – das Chaos ausbricht. Drittens organisieren sie sich ohne schlechtes Gewissen Hilfe, wo nötig. Wir sollten ein wenig von ihnen lernen.


Rechtzeitig vorbeugen tut Not


So oder so ist Vorbeugen das beste Heilmittel, um sich nicht plötzlich als Hauptverantwortliche für Haushalt, Kind und Küche wiederzufinden. Wer erst gar nicht in diese Falle tappen will, greift zur schriftlichen Vereinbarung. Und zwar bevor das erste Kind kommt. Ein Vertrag? Mit dem Partner, den man liebt und dem man vertraut? Und mit dem man sich doch einig ist, dass die Hausarbeit und Erziehung fair aufgeteilt wird? Ja, genau. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass all das, was vor dem ersten Kind in einer Beziehung noch selbstverständlich war – also dass er genauso häufig koch und putzt und einkauft wie sie – , mit der Ankunft des Nachwuchses plötzlich nicht mehr gilt. Wie selbstverständlich wird wieder alles wie zu Großmutters Zeiten – sie schmeißt den Haushalt und kümmert sich darum, dass mit dem Kind alles klappt, und er hält sich raus.


Also, setzen Sie sich hin und besprechen mit Ihrem Partner die Aufgabenverteilung für die Elternphase. Sobald Sie erste Pläne schmieden, eine Familie werden zu wollen, regeln Sie wer in welchem Umfang das Kind versorgt und den Haushalt macht – und halten Sie das schriftlich fest. Und vergessen Sie nicht klarzustellen, wie Sie das mit Ihren beruflichen Vorstellungen in Einklang bringen möchten: Wer ist in den kommenden Jahren wann dran mit der Verwirklichung seiner beruflichen Pläne? Klären Sie das mit Ihrem Partner und schreiben Sie es auf. Vertrauen Sie nicht darauf, dass später schon alles von alleine so wird, wie Sie sich das vorher beide vorstellen. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun. Sondern hier soll einem Automatismus vorgebeugt werden, der sonst wie selbstverständlich einsetzt und Frauen in die Rückwärtsrolle versetzt – und sogar die Paare selbst überrascht.“ (Ende der Leseprobe.)

 

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Das war ein Ausschnitt aus dem Buch „Und was jetzt? - Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ von Bärbel Kerber

(2015 neu erschienen als Paperback und Hardcover bei BoD und als E-Book bei epubli )

 

Bildnachweise:

1 Valeria C. Preisler via flickr.com

2. Coverdesign: Birgit Stolze - Coverfoto: Ismagilov/shutterstock.com

3. Quinn Dombrowski via flickr.com