Weibchenschema

11 Sendeminuten nur

"Frauen im Regieberuf" bleibt ein heißes Thema.

Von: Gabriela Häfner. Fotos: Mysi (via flickr.com) und Pro Quote Regie

vom 07.01.15

Diese Zahlen ernüchtern. Nicht nur in den Spitzen der Wirtschaft gibt es wenige Frauen – auch in den Medien sind federführende Rollen denkwürdig oft noch männlich besetzt. Das zeigt etwa der erschütternd geringe Anteil von Frauen, die bei uns Regie führen: „Ich dachte immer, wir sind so ungefähr 30 Prozent Frauen, die da arbeiten“, verriet die Filmemacherin Annette Ernst jüngst in einem Radiointerview. Irgendwann habe sie aber nachgerechnet, auf eigene Faust, und mit anderen zusammen im Internet recherchiert: „Und dann sind wir hintenüber gefallen, als wir sahen, dass es weniger als 15 Prozent von uns nur gibt.“

 

Das Ergebnis überrascht, denn an weiblichem Nachwuchs fehlt es der Branche zunächst einmal nicht. Unter denjenigen, die in Deutschland heute ein Regiestudium absolvieren, sind zu 42 Prozent Frauen vertreten. Das klingt vielversprechend – doch später, nach dem ersten Abschluss- oder Debütfilm, geht es für viele nicht weiter. Kürzlich ließ der Bundesverband Regie erstmalig untersuchen, wie sich die Auftrags- und Fördersituation für Frauen im Filmgeschäft eigentlich mittels handfester Daten nachzeichnen lässt. Dabei stellte sich heraus, dass es – zu einem überwältigenden Anteil –  fast nur Männer sind, die mit Aufträgen bedacht werden, die unsere öffentlich-rechtlichen Sender das Jahr hindurch vergeben. Und auch bei den Geldern, die aus den Mitteln der Filmförderung fließen, gehen weibliche Talente seltsam leer aus. Wie aber können sich diese gut entwickeln, wie Frauen bei uns ihre Filme realisieren, wenn ihnen wichtige Gelder und lukrative Aufträge derart fehlen?

 
Wird Frauen – noch heute – womöglich gar nicht zugetraut, einen Film vergleichbar gut wie der männliche Kollege verantworten zu können? Oder sind eventuell auch die Frauen selbst zu wenig erpicht darauf, sich bei der Vergabe von Drehchancen ins Spiel zu bringen und zahlreich anzubieten? Die erwähnte Studie gibt hierauf keine hinreichende Antwort. Sie hält nur fest, was den wenigsten so wirklich bewusst sein dürfte:  

 

Was bei uns im fiktionalen Abendprogramm von ARD und ZDF läuft, ist beispielsweise noch immer zu 89 Prozent aus männlicher Sicht gestaltet – Frauen stehen hier lediglich hinter 11 Sendeminuten von hundert. Egal, ob es sich um frauenaffine Formate (wie etwa das „Herzkino“) handelt oder um die knallharte Krimischiene, unterm Strich gelangen von den nachwachsenden weiblichen Begabungen, die auf unseren Filmhochschulen ihr Handwerk lernen, später nur wenige in den TV-Abspann. Im Kino sieht es etwas besser aus: Dort sind zumindest 22 Prozent aller Streifen von einer Frau inszeniert. Doch auch hier lässt sich beobachten, dass der Name einer Regisseurin in Kombination mit einem sehr hohen Förderbudget kaum mal vorkommt.

 

Das ist ein Befund, der eigentlich nicht so recht in das Bild einer Zeit passen will, die da glaubt, Frauen und Männer könnten ihre gesellschaftlichen Optionen bereits chancengleich ausschöpfen und ihre Sichtweisen gleich gut einbringen. Offensichtlich sind wir an diesem Punkt noch lange nicht angelangt. Nicht nur unsere Sender und Filmförderer gaben sich übrigens sehr verwundert darüber, wie ungleich ihre Vergabepraxis sich zwischenden Geschlechtern noch immer gewichtet. Auch viele Regiefrauen daneben reagierten konsterniert: „Mich haben die Zahlen wirklich total erschrocken“, äußerte etwa Hanna Dose, selbst Filmemacherin, neulich im Radio. „Von 82 Tatorten im letzten Jahr sind nur drei von Frauen gedreht – das kann einfach nicht sein. Das Ergebnis gibt somit auch der Initiative „Pro Quote Regie“ kräftigen Rückenwind, wo diese gerade ein kulturpolitisches Umdenken einfordert – und eine weitere Quotenregelung, diesmal für die Besetzung von Regiestühlen, damit demnächst Frauen unsere Fernsehbilder stärker mitprägen können.