Männerecke

50 - irgendwann, II

Sie hat auf "arte" diesen Bericht gesehen über einen spanischen Schriftsteller, ...

Sie hat auf "arte" diesen Bericht gesehen über einen spanischen Schriftsteller, der hat ein Buch auf deutsch veröffentlicht mit hundert kleinen Geschichten, die in Barcelona spielen.

 

“Der war schon alt”, sagt sie, “der hatte total nervöses Wimpernzucken beim Reden. Ein toller Mann.”


“Wie alt? Siebzig, achtzig?”


“Quatsch. So fünfzig rum.”


“Fünfzig??! Du hast gesagt, der wär schon alt. Ich bin im Herbst auch fünfzig. So Gott will.” Ich klopf auf Holz, “toi, toi, toi!”, worauf Frau Moll eine Kläffkaskade vom Stapel lässt, weil sie jedes Mal, wenn ich aufs Holz klopfe, glaubt, jemand klopfe ans Fenster. Und ich klopf schon extra leise.


“MOLLI, MACH DIE HUPE AUS!” ruft die Gräfin. “DAS IST NUR DER ANDI, DER HAT AUFS HOLZ GEKLOPFT!”

 

Frau Moll glotzt die Gräfin an wie Frau Bückeburg, die zur Kasse 18 gerufen wird, aber es gibt nur 17 Kassen; ratlos.

 

“Na, man ist doch auch alt mit fünfzig”, verteidigt sich die Gräfin. “Ich mein, die Leute schreiben doch heutzutage schon Bücher mit zwölf!”


Da hat sie recht. Neulich, in einem Literaturmagazin, wurde ein 12jähriger Stricher aus Mexiko-City vorgestellt, der hat auch schon seine Memoiren draußen.


“Es wird Zeit”, sagt sie. “Du alter Sack.”

 

......................................................................................................................................................................
 
Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog "Studio Glumm" über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“ 

......................................................................................................................................................................