War was?

50 Jahre: Die Pille - mehr als ein Verhütungsmittel

Befreiung, gesellschaftliche Revolution und Goldgrube

Der 18. August 1960 war nicht nur für viele Frauen ein Meilenstein, sondern auch für Schering - schließlich wurde die Pille zum Verkaufsschlager. An besagtem Tag kam in den USA die erste Antibabypille in die Apotheken - in Deutschland ein Jahr später -  und trat gegen allen Widerstand, Verbote und Boykotte ihren Siegeszug an, anfangs noch getarnt als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden.  Wer als Frau verhütete, galt damals als "leicht zu haben".

 

Jetzt wurde sie stolze 50 Jahre alt. Was früher noch Hormonbomben waren, sind heute ausgefeilte Präparate mit niedrigen Dosierungen. Und das sicherste Verhütungsmittel neben der Spirale. Aus gutem Grunde geht in manchen Ländern der Ovulationshemmer als Gratispille über den Tresen.

 

Mit der Pille zur Gleichberechtigung

Nicht nur Alice Schwarzer ist Carl Djerassi (der "Mutter der Pille") dankbar. Mit der Hormonpille gab es damit erstmals ein Verhütungsmittel, das die Frau ohne Wissen und Kooperation ihres Sexualpartners zur Verhinderung einer Schwangerschaft einsetzen konnte. Somit versetzte die Pille die Frauen nicht nur in die Lage, sicher und effektiv unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden und unabhängig und selbstbestimmt Schwangerschaften auf einen passenden Zeitpunkt zu verlegen. Ganz klar, hierdurch wurde der Bildungsweg für Frauen möglicher und leichter. Weshalb viele die Pille als die Voraussetzung für die Emanzipation der Frau betrachten.

Sehr viel mit ihrem Prototyp hat die moderne Pille nicht mehr gemeinsam. Sie hat deutlich weniger Nebenwirkungen, größere Verträglichkeit, volle gesellschaftliche Akzeptanz (sehen wir mal von der katholischen Kirche ab...) Nur der Name -  "Anti-Baby-Pille" - kommt noch reichlich antiquiert daher. Heute würde sie sicher anders heißen - in einem Jahrzehnt, in dem in den Industrieländern immer mehr Paare alles Menschenmögliche anstrengen, um ihr Wunschkind zu bekommen. Doch ihre Beliebtheit ist ungebrochen. Bis dato nahmen geschätzte 200 Millionen Frauen die kleinen bunten Pillen ein.

 

Keine Pille für den Mann

Und wie geht's weiter? Die Pille für den Mann lässt immer noch und - wie Insider durchsickern lassen - unnötigerweise auch weiter auf sich warten. Weil die Pharmakonzerne sich keine großen Marktchancen dafür ausrechnen: "In der Gesellschaft hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten durchgesetzt, dass die Frau für die Verhütung verantwortlich ist." Man befürchtet einfach zu wenig Abnehmer.