Anderswo

„Living Dolls“ – Die Rückkehr des Sexismus

Eine britische Feministin warnt: Viele junge Frauen zeigten heute eine hohe Bereitschaft, sich in uralte Muster drängen zu lassen. Wer ist schuld? Der Pornochic, die Glamour-Shows und Casting-Träume unserer Zeit – sagt Natasha Walter. Und natürlich der klassische „Püppchentraum“, den das Buch „Living Dolls“ von Natasha Walter analysiert.

Ist unsere Gesellschaft gerade dabei, junge Frauen in ihren Aufbruchsphantasien auszubremsen? Mit einer Vision von sexueller Freiheit, die im Grunde gar keine ist – sondern nur so aussieht? In einem Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beobachtet der Journalist Jörg Thomann einen bedenklichen Hang unter jungen Frauen, sich jede Menge Blöße zu geben, nicht zuletzt körperlich: Da würden Mädchen ohne viel Scheu an Wettbewerben in Nachtclubs teilnehmen, in denen nach dem verführerischsten „Babe on the bed“ gefahndet wird. Wie überhaupt mit Pornochic hier und da kokettiert würde – beim Poledancing etwa, jenem Striptease-Stangentanz, der heute als neuer „Lifestyle-Sport auch für Geschäftsfrauen und Popstars“ gelte. Ganz zu schweigen von den vielen TV- Sendungen, die ja auch nur eines im Sinn hätten: „Frauenquälen für die ganze Familie“ – so nennt Jörg Thomann das Konzept von Casting-Shows á la Heidi Klumms „Next Top-Model“ und Til Schweigers „Hollywood Mission“. 

Sind wir auf dem Weg zurück? Zu einem neuen unverhohlenen Sexismus? Diese These vertritt auch Natasha Walter, die gerade in England ihr neues Buch „Living Dolls“ veröffentlicht hat. Darin stellt die Britin fest, dass Frauen heute zwar viel mehr Möglichkeiten hätten, ihren eigenen Weg zu gehen, gleichzeitig aber auch auf neue Einschränkungen stießen – nicht zuletzt durch die Bilder der Porno-, Sex- und Schönheitsindustrien. Diese wären mit ihren allgegenwärtigen Reizen und Versprechungen nämlich schon lange nicht mehr am Rand der Gesellschaft unterwegs, sondern in der Mitte unserer Zeit rundum angekommen. Läuft eine jüngere Generation also Gefahr, so zu reagieren wie der Verleger von Natasha Walter auch: 

„Als die britische Journalistin und Feministin Natasha Walter ihrem Verleger mitteilte, welchen Untertitel sie sich für ihr neues Buch wünsche, fragte dieser besorgt, ob das nicht ziemlich altmodisch wirke – ‚Die Rückkehr des Sexismus‘. Den hat die Frauenbewegung doch längst niedergerungen, glauben viele. Auch Natasha Walter hat es geglaubt, als sie vor zwölf Jahren ihre optimistische Bestandsaufnahme ‚The New Feminism‘ veröffentlichte. ‚Ich habe mich, zumindest teilweise, geirrt‘, sagt sie (...).“ 


Lesen Sie hier den ganzen Artikel von Jörg Thomann in der „FAZ“ und mehr über Natasha Walter und ihr neues Buch.