Fürs Auge

„Room Service 09“ – ein ganzheitliches Erlebnis

Ich liebe kurzweilige Kulturerlebnisse. Kurze begeisternde Stücke, ständig wechselnde Impulse.

Ich mag Überraschungen und bin gerne in Bewegung. Deswegen war ich am Freitag Abend restlos begeistert, im Kunsthaus Rhenania in Köln die äußerst anspruchsvolle und durchweg gut gelungene Aufführung von „Room Service 09“ erleben zu dürfen.

Das Prinzip des vom Choreographen Gregor Weber in Szene gesetzten Theaters sind unterschiedliche Erlebnisräume, die das Publikum sich erlaufen muss. Mittels einer Karte folgt nun jeder Besucher einem anderen Plan. Auf den verschiedenen Ebenen darf er nach einer Einleitung im Treppenhaus (spannend die Überlagerung der in jedem Stockwerk ritualhaft gesprochenen Kurzmonologe) nach einem Klingelton eine von zwei möglichen Räumen betreten.

Hier erwartet ihn zum Beispiel eine szenische Interpretation oder eine Tanzperformance. Nach ca. 10 Minuten klingelt es wieder – das Signal zum Weiterziehen in die nächste Ebene. Mein erster Raum blieb auch zugleich das Beste, was die rundum gelungenen Aufführungen zu bieten hatte: die Quasselstrippe! Isabell Brenner gab in dem kleinen intimen Raum die frustrierte Single-Frau, die einen beklemmenden Lobgesang auf die Pille präsentierte. Mit präziser Diktion geriet der Plauderton der Quasselstrippe immer wieder zu einem existentiellen Statement. Brenner erinnerte mich in ihrer unprätentiösen wie fesselnden Art an Martina Gedeck.

So ein positiver Auftakt begleitete mich durch die verschiedenen Ebenen und ließ mich eine faszinierende Reise auch durch spannungsgeladene Räume erleben, die mit einer schönen Schlussgeste am Ende die Besucher erfüllt und entspannt in die Nacht entließ.


IMPRESSIONEN VOM ABEND MIT FOTOS VON KARSTEN MÜHLHAUS



Speakers-Corner, Quasselstrippe, Isabell Brenner



Echos, Klang-Improvisationen von Albrecht Maurer und Norbert Rodenkirchen



Where you were at night? Gedanken-Tanz von Gabriela Tarcha




Fünfunddreißig Kubik, im Frachtraum mit Robert Christott
(Es roch fantastisch nach Melone)



Ich freue mich schon auf die nächste Runde „Room Service“!

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Anke von Heyl lebt als Kunsthistorikerin in Köln und schreibt regelmäßig über kulturelle Ereignisse, die aufhorchen lassen – sowohl in ihrem Weblog „Kulturtussi.de“ als auch für MissTilly. Wir danken auch Karsten Mühlhaus, der uns freundlicher Weise seine Fotos für eine Veröffentlichung an dieser Stelle zur Verfügung stellte. 

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