Women only

A normal day

Mutti macht das schon?

Es ist 05.45 Uhr, der Wecker klingelt, und ein ganz „normaler“ Tag beginnt in meinem Leben. Mein Körper sagt mir: „Ich bin noch müde, der Kopf sagt, du musst die Kinder wecken und dich fertig machen.“

 

Alles im Griff?

 

Die Kinder, das sind drei. Ein Junge in der Pubertät (oder Pubsertät, wie der Jüngste sagt), da bedarf es nicht viel Kommentar. Ein Mädchen, das in die 2. Klasse geht und im Moment fest davon ausgeht, Hip-Hop-Tänzerin zu werden. Ein Junge, der noch in den Kindergarten geht und sich gerade überlegt hat, nach zwei Jahren ohne Windeln nachts wieder ins Bett zu machen. Ach ja, mein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann und überzeugt, dass Schatzi das alles im Griff hat (er wird mich für diesen Satz hassen).


An manchen Tagen nimmt mein Mann den Jüngsten mit in die Kita, vor seiner Arbeit, so wie heute. Die Sonne scheint, ein Oktobertag, und ich sitze vor einem Frühstückstisch, alle sind gegangen, der Frühstückstisch und ich bleiben. Innerlich schreie ich laut heraus: Habt ihr vergessen, euer eigenes Geschirr abzudecken? Die Antwort von meinem pubertierendem Jungen ist einfach nur: „Du bleibst ja eh zu Hause, und ich habe jetzt keine Zeit mehr, morgens ist es immer eng.“ Tja, sprachlos bin ich.

 

Persönliche Reinigungsfrau und mehr

 

Im Radio höre ich die Werbung, ein Flug nach Australien, das wäre toll, oder doch auf eine Südseeinsel, wo es auch für mich eine Mutter gibt, die alles im Griff hat? Im nächsten Moment stelle ich mir die Kinder vor, wie sie eines Morgens meinen Abschiedsbrief finden, in dem ich ihnen ankündige, auf dem Weg nach Australien zu sein. Mein Mann versteht die Welt nicht mehr.


Übrigens, ich bin eine Mutter, eine studierende dazu (ohne Witz), ich bin auch persönliche Reinigungsfrau der Familie, Köchin, Organisatorin, Waschfrau, Managerin und Liebhaberin. Eine Jobbeschreibung, würde man denn eine für meinen Alltag schreiben, spränge jeglichen Rahmen.

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Wie wär' es mit "Preise verteilen"?


Nachdem ich vom Tisch das Nötigste abgeräumt habe, schmiede ich Pläne. Ich schaue in den blauen Himmel und weiß mit einem Mal, dass jetzt Schluss ist. Ein Plan muss her, ein Plan, auf dem alle Aufgaben verteilt sind. Ein Bonussystem muss her, wo die Kleinen per Sticker „Sternchen“ sammeln können. Am Ende der Woche wird dann ausgewertet. Vielleicht könnte ich kleine Preise verteilen?


Vielleicht denken Sie jetzt: „Was beschwert die sich denn? Hat sich das doch selbst ausgesucht. Und Studium, was soll das denn? Außerdem kann man seine Kinder ja wohl im Griff haben, oder?“ Ich würde von mir nicht behaupten, dass ich eine Mutter von der Kategorie „Weichspüler-Mutti“ bin. Alle, die mir ein bisschen nachfühlen können, wissen, wie schwer Erziehung ist - und aus den kleinen Wesen so eine Art Mensch mit Sozialkompetenz zu machen. Immer präsent sein, hundert Mal und mehr sagen: „Bitte räume deine Sachen auf, die du benutzt hast“. Seien wir ganz ehrlich: Will man manchmal nicht lieber im Dreck versinken, ohne die Fusseln am Mund zu spüren, die man sich täglich zuzieht?


Ich schrecke aus meinen Gedanken, Hiiiiiiiilfe, ich habe heute noch so viel zu erledigen…