Weibchenschema

Ab nach Frankfurt! Oder München.

Dort nämlich gibt es richtig viele Frauen in der Kommunalpolitik. In anderen Großstädten sieht es eher mau aus. Da nützt auch Angela Merkels Vorbild wenig. Aber vielleicht helfen weiterhin ehrgeizige Quotenparteien? Eine Studie weckt möglicherweise eine alte Debatte neu.

Wie häufig sind Frauen heute Bürgermeisterinnen, RatsmitgliederInnen, Dezernentinnen? Ein Forscherteam der Fernuniversität Hagen hat nachgezählt. In rund einem Drittel der kommunalpolitischen Ämter in den Großstädten sind Frauen vertreten. Nein, üppig ist es nicht. Aber Frauen haben mächtig aufgeholt in den letzten 30 Jahren.


Das erste Genderranking deutscher Großstädte gibt es nun. Spitzenreiter ist Frankfurt am Main, dicht gefolgt von München: In beiden Städten sind nahezu die Hälfte der Ratsmandate von Frauen besetzt. Das Schlusslicht macht Salzgitter mit Platz 79 – müde 15 Prozent der Posten in der dortigen Kommunalpolitik haben Frauen inne.


Und trotzdem: Deutschland gilt in der internationalen Forschung als „Erfolgsfall“. Denn „in den 1980er und 1990er Jahren hat sich die Zahl der Frauen in den Parlamenten durchschnittlich verdreifacht“, heißt es in der Studie. Die Wissenschaftler sehen das auch als  Verdienst der Parteien, die sich der Gleichstellung mit Haut und Haaren verschrieben hätten.


Die Ergebnisse werden wohl der schon vor langer Zeit heiß geführten Diskussion um Sinn und Unsinn einer Frauenquote wieder neu anheizen. Denn die „Grünen“, so die Hagener Forscher, dienten mit ihrer ambitionierten 50%-Quotierung ganz klar als Schrittmacher für die heutige höhere Repräsentanz der Frauen in den Ämtern. Auch weil im Wettbewerb um die Frauen den anderen Parteien nicht viel übrig blieb als nachzuziehen. Nachdem die Grünen als erste Partei die Frauenquote eingeführt hatten, folgte die SPD bald deren Erfolgsmodell. Und so erhöhte rasch die Konkurrenz von SPD und  Grünen den Frauenanteil in den Großstadtparlamenten.


Dennoch sind dort noch lange nicht so viele weibliche Vertreter anzutreffen, wie sich manche vielleicht wünschen. Doch das liegt mit daran, wie Frauen (auch) in der Politik wahrgenommen werden – nämlich nach wie vor sehr stereotyp: „Frauen müssen immer etwas besser und schöner sein als Männer.“ Diesen Satz haben die Wissenschaftler in Interviews, die sie führten, häufig gehört. Nicht nur diskriminierende Erfahrungen wie diese – also vornehmlich nach Äußerlichkeiten und nur in zweiter Linie nach politischer Kompetenz beurteilt zu werden – mögen Frauen die Lust am politischen Amt verleiden. Auch manche Rituale, Politikstile und Parteikulturen machen es für Frauen wenig attraktiv, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Denn Männer seien zu oft auf den Status ihres Amtes aus, während Frauen zielgerichteter seien, wurde in den Interviews beklagt. „Sie (die Frauen) gehen nicht in die Partei, um etwas zu werden, sondern um etwas durchzusetzen.“ Und sie stören sich dabei nicht selten an Endlosdebatten, die unnötig stattfinden, - weil „alles schon gesagt ist, aber noch nicht von jedem.“


Mag sein, dass hier auch ein wenig das Klischee vom machtbesessenen Mann und der zweckorientierten Frau benutzt und gepflegt wird. Doch wenn der ausufernde und zeitraubende Kommunikationsstil in politischen Diskussionen aufgegeben würde, um künftig eben auch mehr gute und engagierte Frauen für die Lokalpolitik gewinnen zu können, hätten sicher alle etwas davon (auch die männlichen Kollegen). Nun, dieses Jahr ist jedenfalls Superwahljahr,denn in acht Bundesländern finden Kommunalwahlen statt. Das ist eine gute Chance zu zeigen, dass die Frauenbeteiligung nicht nur beim Gang zur Urne hoch sein kann, sondern auch mehr und mehr auf der Seite der Gewählten.

 

Es ist richtig, wenn Frauenministerin Ursula von der Leyen sagt, die Quote habe den Frauen die Chance auf Teilhabe überhaupt erst zugelassen. Nicht weniger wahr ist allerdings, was Christine Dössel von der Süddeutschen Zeitung behauptet: "Die Quote hat den Frauen zwar mehr Repräsentanz, doch nicht automatisch mehr Einfluss gebracht." Denn "je wichtiger die Position, desto weniger Frauen". Sprich: Die Spitzenpositionen belegen nach wie vor (mit wenigen Ausnahmen) die Männer. In dem Maße allerdings, in dem heutige Frauen selbstbewusster für sich Macht einfordern, wird sich auch daran in Zukunft etwas ändern. Mit Beharrlichkeit und Geduld.