Cool Tour

Alle seine Frauen

Max wird nicht müde, dem Quell seiner Lebenslust immer wieder tief ins Dekolletee zu stieren: Der alternde Don Juan liebt einfach das andere Geschlecht mit allen seinen Reizen – und insbesondere im Kollektiv. „Bis später, Max“ ist der neue Kinofilm von Jan Schütte. Und sicher handelt diese Liebeskomödie auch von Sex im Alter – aber bei weitem nicht nur.

Der in die Jahre gekommene Schriftsteller Max Kohn kann sich nicht vorstellen, dass für ihn der Zug bereits abgefahren sein soll. Mit Abenteurersinn begibt er sich deshalb auf seine akademischen Lesereisen, die ihn nicht nur quer durch die Lande führen – sondern oft auch direkt in die Arme einsamer Frauen. Max weiß, wie man Frauenherzen tröstet. Und die wiederum scheinen einen Riecher für die ruhelose Libido zu haben, die sich hier im Manne noch regt und rüstig genug sein will, um in alte Jagdhörner zu blasen. Wäre da nicht Reisel, die eifersüchtige Lebensgefährtin, die natürlich auch wittert, was ihr Max so treibt. Und zumindest hin und wieder gelingt es ihr, per Telefonkontrolle dem agilen 80-Jährigen seine Liebestouren zu vermasseln. 

Doch damit ist höchstens an der Oberfläche die Story gestreift, die Jan Schütte in seinem neuesten Film erzählt. Denn „Bis später, Max“ ist eine Art poetisches Roadmovie, das immerzu zwischen Orten und Ebenen springt, um diese hin und wieder auch zu vermengen. Was genau da was ist, ist so leicht oft gar nicht zu sagen. Realität und Fiktion, erotische Phantasien und sexuelle Ängste greifen hier immer wieder seltsam ineinander und lassen manches auch in der Schwebe. 

Und so stolpert denn auch die Hauptfigur Max auf nicht ganz sicherem Fuße von hier nach dort, von einem düsteren Hotelzimmer in der amerikanischen Provinz in das nächste und von der Wirklichkeit hinein in Alpträume, die um Potenzängste kreisen. Gleich zu Beginn des Films etwa findet sich Max in einem Verhör wieder: Eigentlich ist es nur ein Schaffner, der die Zugfahrkarte sehen möchte. Doch dessen Uniform und kalt insistierende Stimme wecken in Max, dem aus Europa geflohenen Juden, auch zugleich Erinnerungen an die Gestapo wach. Laut schallt ihm aus dem Munde des Kontrolleurs dabei die Frage entgegen: „Wie oft haben sie noch Geschlechtsverkehr?“. Eine Pein, aus der die Figur schließlich schweißgebadet des Nachts aufschreckt. 

Allein diese Szene zeigt die Weite der Bezüge, die Jan Schütte sucht, wo sein Kinostück vieles zugleich sein möchte: Allem voran eine Hommage an den österreichischen Volksschauspieler Otto Tausig, der selbst schon 86-jährig die Rolle des hoch betagten Max Kohn mit einer leicht schrulligen Lebhaftigkeit und sprühendem Wiener Charme verkörpert. Allerdings spielt Tausig nicht nur diese eine Figur, sondern auch die Helden, die der Schriftsteller Kohn sich in seinen Büchern ersinnt und die ebenso zu amourösen Tor- und Tollheiten neigen wie der Autor selbst.

Für die Geschichten, die sich hier entwickeln, lieferten drei Shortstorys von Isaac B. Singer die literarische Vorlage. Darunter auch die melancholisch-makabre Kurzgeschichte „Late Love“. Erzählt wird hier von einer „späten Liebe“, die sich zwischen einer Witwe und ihrem Nachbarn anbahnt: Als die Gefühle gerade wundervoll abzuheben beginnen, bereitet ein Sturz vom Balkon der Beziehung ein böses Ende. Eine Wendung, die von einer ganz anderen Sehnsucht und erotischen Kraft angetrieben wird als einer expliziten Körperlichkeit im Hier und Jetzt, wie sie etwa vor kurzem auch der Film „Wolke 9“ von Andreas Dresen ins Kino holte. „Bis später, Max“ gelingt es, hier sehr eindringlich den Blick auf Phantasien zu lenken, die sich auch aus Erinnerungen an eine gelebte „große Liebe“ und Lust speisen und die mitunter so viel mehr wiegen können als der mit Prostataleiden beschwerte Augenblick in der Wirklichkeit selbst.  

Und doch hat der Film, der in seinen starken Momenten an einen Woody Allen-Streifen erinnern mag, hier und da seine Schwächen. Das gilt insbesondere für die Frauenfiguren, die erstaunlich blass bleiben. Und die erstaunlich schnell anspringen, sobald Max Kohn mal wieder erotisch im Konjunktiv spricht: „Wäre ich zehn Jahre jünger, ich würde Ihnen glatt ein unmoralisches Angebot machen!“ Wäre man nicht nur aus Luft und Liebe gebaut, wie Max' Frauen, würde man dem Mann doch glatt anders antworten als diese.


In einem Interview wurde Jan Schütte gefragt, warum der Film anscheinend gerade bei Frauen so viel Zuspruch findet (wie Vorführungen bisher zeigten) – „angesichts der Tatsache, dass alle Frauen im Film irgendwie auch Spielbälle der Hauptfigur und seiner Phantasie zu sein scheinen?“ Ist es wirklich so, dass weibliche Zuschauer hier „in allen Frauenrollen Spiegel für bestimmte Probleme finden, die sie mit Männern haben oder gehabt haben“, wie der Regisseur meint? Oder ist hier ein voyeuristisches Vergnügen am Abstieg und Fall eines selbstherrlichen Charmeurs im Spiel, wie Jan Schütte weiter mutmaßt?

 
Beide Antworten wirken etwas fade. Denn „Spiegel“ hin und „Voyeurismus“ her – wo Max mit ziviler Selbstironie den Haifisch im Becken spielt, bleibt seinen Frauen am Ende nur eins: die Rolle als Lebendfutter. Schade.



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