War was?

Als nächstes die Mütterquote?

Dem kindermüden Deutschland soll Feuer unterm Hintern gemacht werden. Sind wir nicht alle ein bisschen Quote?

Die deutsche Geburtenrate ist auf einem historischen Tiefstand angelangt - sie ist so tief, dass ausgerechnet aus der CDU/CSU, die sonst mit Quoten nix am Hut hat, der Ruf nach einer neuen Quote stammt. Doch jetzt geht es um die Wurscht bzw. die Kinder. Und richten soll es eine Mütterquote. Weil man den geringen Chancen, die ein berufstätige Mutter in der Arbeitswelt hat, die Schuld daran gibt, dass Frauen immer häufiger auf Kinder verzichten, sucht man verzweifelt das Heil in der Verpflichtung für Arbeitgeber, eine bestimmte Zahl an Jobs ausschließlich Müttern vorzubehalten.

 

Da ist eine Menge dran, wenn Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer sagt, Mütter erlitten "einen Ansehensverlust in der Arbeitswelt". Und dass uns das zu denken geben sollte. Doch kommt die Mütterquote wirklich, wird es einen Aufschrei geben: bei den gegängelten Unternehmen, die sich mit steigenden Kosten konfrontiert sehen; bei den Männern, die sich erneut benachteiligt fühlen; bei den Nicht-Müttern nicht minder. Und zuletzt bei einer vermutlich beachtlichen Menge an Müttern, die sich nicht als "aussterbende und schützenswerte Rasse" bzw. als (weitere) Quotenfrau betrachten und behandeln lassen wollen - als Doppelquotenfrau quasi, als Frau und Mutter. Schlimmer geht's irgendwann nicht mehr. Eine Mütterquote wird denselben Streit provozieren wie die Frauenquote. Und sie wird dieselben Mängel innehaben wie diese.


Eine Quote ist Ausdruck einer Vorstellung von Politik, man müsse nur an einem Rädchen drehen, und dann funktioniere der Motor wieder. Und eine Mütterquote verdrängt alle anderen Gründe für die Kindermüdigkeit in Deutschland. Denn: ob, wann und wie viele Kinder eine Frau zeugt, hängt nicht zuletzt von Partner, Sozialisation, Tradition, Vorbildern, gesellschaftlichen Rollenbildern, Ausbildung, Karrierevorstellungen etc. ab. Weswegen auch nicht eine größere Zahl von Krippenplätzen plötzlich zu einem Babyboom führen wird, solange die Öffentlichkeit noch findet, eine Mutter müsse in den ersten Jahren bei seinem Kind bleiben. "Ein verbesserter Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen in einer Gesellschaft, in der ein traditionelles Rollenverständnis und Familienbild existiert, verändert demnach das Geburtenverhalten nicht." Kinderzuwachs ist - so beobachten Forscher - vielmehr zumeist ein "Nebenprodukt von frauenfreundlicher Politik".  Entscheidend ist, dass gesellschaftlich anerkannt ist, dass eine Mutter arbeiten soll und darf. Davon sind wir in Deutschland noch ein großes Stück entfernt. Dazu bedarf es eines Bewusstseinswandels. Und ein solcher ist 1.) ein langsamer Prozess, der 2.) nicht zwangsverordnet werden kann.

Auf jeden Fall sind wir mitten in der Diskussion "Was braucht eine Frau, um Mutter und berufstätig sein zu können". Und so eine gesellschaftliche Diskussion bringt am Ende idealerweise beides: eine Lösung UND einen Bewusstseinswandel.