Anderswo

Apokalypse, wow!?

Matthias Horx hat mal wieder in die nahe Zukunft geblickt. Was uns das Jahr 2008 an neuen Trends bringen wird? Die Palette dessen, was der renommierte Zukunftsforscher uns prognostiziert, reicht vom „Ökofaschismus“ bis zum „Gourmet-Sex“.

Sein Trendreport gehört ja fast schon zum Jahreswechsel dazu, so wie Bleigießen in der Sylvesternacht. Und auch in diesem Jahr macht Matthias Horx auf das Neue aufmerksam, das uns vermeintlich demnächst die Türen einrennen wird – ob nun als Motiv im Privaten oder auf öffentlicher Bühne. Was das sein wird? Bitte gut anschnallen und festhalten: Der Weltuntergang.

Oder nein, um genauer zu sein: Matthias Horx prognostiziert zwar nicht den Weltuntergang. Er macht aber doch irgendwie Stimmung in Richtung „Untergang des Abendlandes“, wo er über die heutige Angst vor dem Klimakollaps nachdenkt: Diese treibe uns nämlich zunehmend in die Hände ganz böser Gefahren von morgen – angefangen bei einem neuen „Umweltextremismus“ und im Weiteren auch gut zu beobachten als eine Art neuer religiöser Fundamentalismus, als „Weltrettungsreligion“, die uns zu gängeln beginne.

Grober Schwachsinn? In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP hat Horx versucht, seine Thesen noch einmal zu erläutern. Hier ein kleiner Auszug, der kenntlich machen dürfte: Was Matthias Horx in die Welt hinaus posaunt, ist im Blick auf die Zukunft vermutlich ungefähr so treffsicher wie – Weissagung durch Bleigießen.

AP: In Ihrem Trend Report 2008 prognostizieren Sie eine Überhöhung der Klimakatastrophe zur Weltrettungsreligion. Was hat Umweltschutz mit Spiritualität zu tun?

Horx: Die Vision der Klimakatastrophe weist viele Parallelen zu Religionen und Kulten auf: Im Zentrum steht eine apokalyptische Weltvorstellung, die den Einzelnen oder ganze Gesellschaften zum Sünder deklariert. Diese Sünde muss gebeichtet und behandelt werden durch Formen, die stark an den Ablasshandel des Mittelalters erinnern. Wenn Sie heute einen Langstreckenflug machen, leisten Sie 15 Euro Obolus, damit woanders Bäume gepflanzt werden. Ich kann mir vorstellen, dass diese Logik des Sündenablasses sich noch gewaltig ausdehnen wird.

Zudem bietet der angenommene Klimakollaps einen Lebenssinn: Energiesparen und CO2 vermeiden wird zu einer Art Verhaltens-Matrix, so wie die Rituale, die in vielen Religionen den Alltag strukturieren. Auch in der Symbolik finden sich Parallelen zur Religionsgeschichte: Wale sind die Engel der Neuzeit - und Al Gore ist nichts anderes als eine moderne prophetische Lichtgestalt.

AP: Ist ein gewisser Grad an öffentlicher Aufregung nicht notwendig, um Grundsätzliches zu verändern?

Horx: Das ist eine gute Frage. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Vorstellung von Apokalypsen auch totalitäre Regimes stützen kann. (...) In den nächsten Jahren werden wir erleben, wie im Namen des Klimas immer mehr Verhaltensnormen entstehen. Das kann bis an den Rand eines Ökofaschismus gehen.“

Wem das noch nicht reicht, der kann hier noch eine Horxsche Alternativsicht auf die Welt im Jahr 2008 finden. Im Auftrag des Erotikkonzerns Beate Uhse veröffentliche der Sozialforscher nämlich vor kurzem eine Studie „Sexstyles 2010“, die ermittelte, wie sich unser Liebesleben und unsere Wege zur Paarfindung ändern werden. Auch hier mag so manches Fazit schwer verblüffen – etwa wenn es um die „Young Experimental Couples“ geht, also um Paare im Alter zwischen 20 und Anfang 30. Für diese würde Sex zunehmend zur „bewussten Aufwertung des Liebeslebens und der Beziehungsqualität“ dienen, so stellt Horx fest. Und man möchte glatt nachfragen: Ja, wozu denn sonst?

Das Interview, das die Nachrichtenagentur AP mit Matthias Horx vor wenigen Tagen führte, finden Sie hier. Und wie der Trendforscher auf die Zukunft der Erotik 
blickt, können Sie hier in einem Artikel in der Zeitung „Handelsblatt“ erfahren.