Starke Frauen

Aung San Suu Kyi

„The Lady“ ringt seit Jahrzehnten um Demokratie und Menschenrechte. Jetzt wurde sie 65 Jahre alt.

In Burmas “zweitem Kampf für Unabhängigkeit” nach der Entkolonialisierung in Bezug auf die Briten stand sie an der Spitze der demokratischen Bewegung, die sich in Opposition zur Militärherrschaft gebildet hatte. Trotz Bedrohung durch Waffengewalt und Versammlungsverbot reiste sie für die Nationale Liga für Demokratie (NLD) durchs Land und predigte zivilen Ungehorsam. Ihren grandiosen Wahlsieg im Frühjahr 1990 ignorierte die politische Führung. Ein Hungerstreik für ihre MitstreiterInnen, jahrelange Gefangenschaft und die Weigerung gegenüber der Militärjunta, das Land zu verlassen, zeigt sie immer wieder neu als unbeugsame, aber gewaltfreie Kämpferin für Recht und Gerechtigkeit – ihre Isolation überlebt sie dank strengster Disziplin mit Hilfe von Meditation und Lernen.

 

Aung San Suu Kyi, am 19. Juni 1945 in Rangun geboren, wuchs in Indien auf als Tochter von Daw Khin Kyi, Botschafterin, und Aung San, Militär-Kommandeur und Präsident der AFPFL (Antifaschistische Freiheitsliga des Volkes). Seit den späten 1980er Jahren setzt sich die Aung San Suu Kyi für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes Burma (Myanmar) ein.

 

Achtungsvoll wird sie „The Lady“ genannt – aufgrund ihrer würdevollen Ausstrahlung und zarten Figur, ihrer eleganten Kleidung und der Blume, die sie im Haar trägt. Sie studierte in Delhi Politikwissenschaft, in Oxford Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Sie arbeitete in New York bei der UNO und mit ihrem Mann, dem Tibetologen Michael Aris, in Bhutan.

 

Seit 2003 steht sie wieder unter Hausarrest. 2006 kam es zu einem Treffen zwischen Aung San Suu Kyi und dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari in Rangun, ihr erstes Treffen mit einem ausländischen Vertreter nach über drei Jahren. Es fand im Rahmen einer neuen diplomatischen UN-Mission statt, in der mit der Regierung über die Achtung der Menschenrechte und die Wiedereinführung der Demokratie gesprochen wurde. Nach einer Reihe von Treffen auf Regierungsebene signalisierte das Regime, dass es an einem weiteren „Dialog“ mit Aung San Suu Kyi kein Interesse mehr habe. In einem Brief an General Than Shwe bot sie 2009 eine neue Ära der Zusammenarbeit an. Sie wollte sich gemeinsam mit der Militärführung für die Aufhebung der internationalen Sanktionen einsetzen. Im März 2010 wurde Suu Kyi, die Hoffnungsträgerin ihres Landes, durch ein von der Militärregierung neu eingeführtes Wahlgesetz von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen.

 

Bereits 1991 erhielt Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis - angenommen an ihrer Stelle von ihren Söhnen - und zuvor den Sacharow-Preis durch das Europäische Parlament. Im Jahr 2000 verlieh ihr US-Präsident Bill Clinton die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Kanada gewährte ihr 2007 die Ehrenstaatsbürgerschaft

 

Anlässlich ihres 65. Geburtstages findet sich ein Porträt zu Aung San Suu Kyi von Cornelia Heuer auf dem Portal www.fembio.org. von Professorin Luise F. Pusch