Anderswo

Ausgebügelt

Als deutsche Fußballerinnen 1989 den EM-Titel holten, wurden sie noch mit Kaffeeservice und Bügelbrett ausgezeichnet. Die Zeiten haben sich geändert – die Erfolge sind geblieben: Mit 2:0 Toren gegen Brasilien erspielte sich die Nationalelf der Frauen nun den Sieg im WM-Finale in Shanghai.

In Deutschland hatten es Frauen und Fußball nicht gerade leicht, zueinander zu finden. Das scheint heute nahezu vergessen, wo die Damen am Ball gerade wieder einen so großen Erfolg zu feiern haben. Zum zweiten Mal in Folge gewannen sie ein Weltmeisterschaftsfinale ­– das war bisher noch keiner Nation bei diesem Wettbewerb gelungen. Noch dazu gelang der DFB-Auswahl, die jetzt seit 12 WM-Spielen ungeschlagen ist, ihr erneuter Triumph ohne einen einzigen Gegentreffer. Superlative, von denen Klinsis Sommermärchenprinzen von 2006 nur träumen können.

 

Dabei war der Frauenfußball in Deutschland lange Zeit ein Aschenputtel, das alle Hände voll zu tun hatte, Aufräumarbeiten zu leisten. Die männlichen Kollegen verstanden es nämlich ganz gut, den Damen eine ganze Ladung traditioneller Geschlechterklischees vor die Füße zu kippen, um sich die Konkurrenz vom Leibe zu halten. Frauenfußball – das galt als  „unweiblich“ und „unfraugemäß“ und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) als eine Angelegenheit, die man besser verbieten sollte. Was dann im Jahr 1955 auch tatsächlich geschah.  

 

„Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand“, so die Begründung, mit der damals ein Kapitel Frauenfußball-Geschichte aufgeschlagen wurde, von dem heute nur wenige noch wissen. Erst 1970 wurde dieses Verbot, das vom DFB ausgesprochen worden war, wieder aufgehoben – seitdem hat sich der Ton in der Tat doch sehr verändert. Gleichstellung? Na klar, eine Frage, die heute auch vor den urtraditionellen Männerdomänen im Sport keinen Halt mehr macht.  

 

So frotzelte etwa Kanzlerin Merkel zum Auftakt des Herren-WM-Jahres 2006 in ihrer Neujahrsansprache leicht provokativ: ­„Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.“. Und der Chef des Fußball-Weltverbandes FIFA, Sepp Blatter, bezeichnete während der letzten Titelkämpfe im Jahr 2003 bereits die Zukunft des Fußballs als weiblich. Dass Blatter, selbst wohl kaum als modern denkender Reformer bekannt, hier vor allem neue Zielgruppen eines marketingmäßig weitgehend ausgereizten Produktes im Blick hatte, kann den Umstand nicht widerlegen, dass bei dem einst vermeintlich ungleichen Paar Frauen und Fußball einiges ins Rollen gekommen ist.

 

Was genau und in welchen Bahnen? Das ist derzeit etwa auch in einem kurzen Dossier nachzulesen, das die Bundeszentrale für politische Bildung anlässlich der WM in China auf ihrer Website präsentiert. Aufwärtstrends und Tiefschläge in der Geschichte des Frauenfußballs werden da knapp und informativ in den Blick genommen, wie so manches Schlaglicht geworfen auf einen höchst amüsanten Zeitgeist, der zum Teil eben auch von wissenschaftlicher Seite Argumentationshilfe geliefert bekam: So ist zum Beispiel ein Statement des bekannten Psychologen Fred J. J. Buytendijk dort zu finden, der in einer Studie aus dem Jahr 1953 über den Ballsport schrieb:

 

„Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen. /.../. Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahin gestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich.“

 

Deutschland – in Sachen Frauenfußball noch bis vor kurzem so ein schauriges Wintermärchen!

 

Und hier geht's zu dem Dossier über die Geschichte des (deutschen) Frauenfußballs, das die Bundezentrale für politische Bildung auf ihrer Website präsentiert.