War was?

Australiens Neue

Völlig überraschend wurde Julia Gillard zur ersten weiblichen Premierministerin von "Down Under".

Julia Glliard reiht sich als "die Neue" ein in die Riege der Frauen an der Spitze von souveränen Staaten. Doch bevor die Euphorie angesichts der neuen Weiblichkeit nun zu groß wird, müssen wir auch die Proportionen auftischen: Es ist nach wie vor ein elitärer Zirkel von Frauen, die sich als Regierungschefinnen betätigen. In gerade mal 16 von über 190 Staaten haben Frauen das höchste politische Amt inne.


Doch "Down Under" hat jetzt nicht nur bloß eine Frau zum Premier, sondern noch dazu eine Feministin. Zumindest vorübergehend, denn sie selbst findet es unangemessen, ohne wirklich vom Volk gewählt zu sein, dieses vertreten zu wollen - weswegen sie für baldige Neuwahlen ist. Und sie steht schon in der Kritik, bevor sie die Amtsgeschäfte so richtig angeworfen hat. Weil sie weder verheiratet ist noch Kinder hat. Doch das nicht etwa, weil sie Nachwuchs ablehne, sondern vielmehr weil sie sich beides nicht zutraue  - Beruf und Familie. (Und größten Respekt habe vor Frauen, die beides wuppen.) Wann wird es aufhören, dass Frauen sich für "wilde Ehe" und Kinderlosigkeit rechtfertigen müssen? Etwas, was Männern nie zum Vorwurf gemacht wird.

Ob und in welchem Maße sie am Sturz des Vorgängers Kevin Rudd beteiligt war, darüber wird heftig spekuliert. Manches geht unter die Gürtellinie - doch offensichtlich ist Julia Gillard routiniert genug, all das als Geklapper des politischen Geschäfts von sich abprallen zu lassen. Mit ihrem Lebensentwurf bietet sie der konservativen Opposition eine willkommene Angriffsfläche. Doch dass sie nie Windeln gewechselt hat, tut für ihre politische Arbeit wenig zur Sache. Wie eben ein Arbeitsminister nicht Hartz-IV-Empfänger gewesen sein muss oder ein Landwirtschaftsminister Bauer. (Kristina Köhler kennt die Fragen schon.)

Die Frauen jubeln jedenfalls . Australierin Kathy Lette schreibt in der britischen Daily Mail: "Gillard’s feminist credentials are strong, which is why so many men are deeply uneasy about her elevation. ...So, yes, it’s a momentous day for Australian women. Having Julia Gillard as our Prime Minister might even mean we’ll no longer get concussion hitting our heads on the glass ceiling — or be expected to give it a clean while we’re up there."