War was?

Bermudadreieck im Herzen der Republik

Als Horst Köhler seinen Hut nahm, war die Republik verschiedentlich erschüttert. Dass nun die Suche nach einer geeigneten Kandidatin ,resp.einem Kandidaten ein schmutziges Spiel werden könnte, ahnten wir alle.

Die Jahre nach der Wende haben so manche Feste Burg stürzen lassen, deren Uneinnehmbarkeit von Staat, Politik, Sport und Kirche proklamiert worden war. Der Köhlersche Abgang ist nur ein folgerichtiges Ereignis am Rosenkranz unserer gegenwärtigen Geschichte. Sogar die sonst so gängige Fledderei der Biografie gestürzter Prominenter wurde mit einem Ruck und kurzem, öffentlichem Schütteln hinter sich gebracht. Die schmutzige Kandidatenkür konnte beginnen.

 

Den ersten schnellen Haken, den die Kür geschlagen hatte, ließ Ursula von der Leyen auf der Strecke zurück. Der Favoritin der Kanzlerin fehle die Unterstützung der eigenen Partei - die der anderen Parteien sowieso. Noch 'ne Frau an höchster Stelle, zumal protestantisch, unkonventionell, mithin unberechenbar. Wo bleibt denn da die Geschlechtergerechtigkeit?! Dann schon lieber den Herrn Christian Wullf, männlich, verlässlich, liberal, und Ministerpräsident (von Niedersachsen, das Lena-Meyer-Landrut-Land). Da die Wahl zum neuen Bundespräsidenten aber erst zum 30.Juni terminiert ist, könnte Herr Wulff quasi als Kandidat im Testballon verschwinden.

 

Und hier nun offenbart sich am Amt des Bundespräsidenten ein mögliches, geradezu beängstigendes Phänomen: Dem Zeitgeist folgend, hehre Ideale perfekter Demokratie im Bermuda-Dreieck gesellschaftlich-politischer Ränkespielchen verschwinden zu lassen, könnten die Kandidaten, einer nach dem anderen verschwinden, dieses Mal durch das Bermuda-Dreieck im Herzen der Republik, bekannt auch als Schloss Bellevue. In diesem Falle sollte Herr Wulff prominenteren Kandidaten den Vortritt lassen, die der deutschen Öffentlichkeit so manchen Bärendienst erwiesen haben.