Anderswo

Besser dran, aber schlechter drauf?

Früher rührten wir glücklich in unseren Kochtöpfen. Dann kam die Emanzipation – und mit ihr der Frust? Frauen werden immer unzufriedener, so fand eine Studie heraus. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Aber vermutlich … liegt alles mal wieder an einem.

Am Apfelkuchen. Wenn es heute irgendein Problem gibt, ist prompt auch von ihm die Rede. Es werden immer weniger Kinder in Deutschland geboren? Tja, … Apfelkuchen fehlt. Immer mehr Paare lassen sich scheiden? Wie gesagt: Apfelkuchen. Frauen fühlen sich unglücklich? Ja, woran kann das nur liegen, wenn nicht am… 

Spätestens seit Eva Hermans aufgeregter Image-Kampagne für den Rührteig, wissen wir alle: Er ist der Kitt, der unser Leben zusammenhält. Trautes Heim, heile Familien und Kindersegen, also Glück schlechthin – kann es nicht geben, wenn Frauen vor ihren Aufgaben am Herd flüchten und gleichberechtigt leben wollen. Gibt eine neue Studie nun dieser komischen Emanzipationskritik auch noch recht? 

Nun, zumindest ist es so: Zwei Forscherinnen an der Universität von Pennsylvania haben sich mit dem Grad der Zufriedenheit von Frauen heute beschäftigt und dabei Ergebnisse von Glücksstudien in den letzten 40 Jahren auch berücksichtigt. Was dabei herauskam, wurde unter dem Titel „The Paradox of Declining Female Happiness” veröffentlicht und könnte dazu dienen, Hermanschen Gegnern einen bitteren Knock-Out zu verpassen: Frauen werden immer unglücklicher, so heißt es. Und das, obwohl sie mittlerweile soviel reicher, gesünder und besser ausgebildet wären als früher. Also nach geläufigen Kriterien zu urteilen- als „emanzipierter“ denn je gelten können. 

Was sagt uns das? Leider: nichts! Denn über die Faktoren, die tatsächlich hier im Spiel sind und das weibliche Glücksempfinden so beeinträchtigen, kann die Studie leider keine Auskunft geben. Deshalb hat Michèle Roten sich für einen Artikel im Schweizer „Das Magazin“ die Mühe gemacht, die Sache noch einmal genauer aufs Korn zu nehmen. Es gäbe viele gute Gründe, heute nicht himmelhoch jauchzend durchs Leben zu gehen, so meint die Journalistin. Warum nun aber wieder mal nur die Emanzipation daran schuld sein soll, versteht auch sie nicht. Sollte das wirklich so stimmen: Mit der Erde geht es gerade bergab – und uns drückt dennoch nur eine Sorge auf das Gemüt: Die Angst, dass der Apfelkuchen vom Bäcker nebenan nicht so gut schmecken könnte wie Muttis? 

Sicher lohnt es sich, mit der Studie so differenziert umzugehen, wie es Michèle Roten versucht, die hier betont: Auch Frauen hätten ein Recht, unglücklich zu sein, weil Emanzipation eben auch Kehrseiten hat: „Mit Freiheit, mit Selbstbestimmung kommen Möglichkeiten, mit Möglichkeiten kommen Entscheidungen, mit Entscheidungen kommen Probleme, Stress, Druck und viele unangenehme Sachen mehr.“ Sollen wir deshalb auf Freiheit verzichten? 

Lesen Sie hier weiter, welche Gedanken sich Michèle Roten in ihrem Artikel „Recht auf Unglück“ darüber gemacht hat, dass Frauen heute zwar besser dran sind, aber angeblich auch schlechter drauf sein sollen als früher.