Fürs Auge

Bloß nichts mit Katzen!

Ein neues Jahr, ein neuer Kalender: Für welchen aber lohnt der Nagel in der Wand wirklich? Ein Blick auf das „Anything Goes“ an Themen, mit denen Frauenkalender 2010 locken – abseits vom Kätzchenmotiv.

Nichts gegen Katzen. Kreative Frauen sollen angeblich Katzen besonders lieben. Es gibt wunderbare Bücher, die davon erzählen. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass ein „Literarischer Katzenkalender“ zum Beispiel nur eines sein kann: ein riesengroßes Missverständnis. 

Fürwahr. Elke Heidenreich schwört auf dieses Cross-Over für die Tier- und Bücherfreundin in einem. Was aber bleibt ihr auch anderes übrig? Die Literaturkritikerin spricht zu oft und gerne über ihre Liebe zu ihrem Kater „Nero“ auch vor großem Publikum, sodass viele Leute glauben, das Glück auf Erden läge für Heidenreich – nun ja, in einem Katzenkalender. Wer viele hat, freut sich am Ende vielleicht doch: Über einen Verlag, der das Tier nicht „pur“ sondern „literarisch angerichtet“ serviert.

Dazu aber gibt es echte Alternativen. Denn: Tierliebe und Literatur im Mix, Kochkünste und Schreibtischgedanken in Kombination sind sicher schön und gut. Und doch auch selbst für weibliches Multitasking-Talent (so in einem Abwasch verrührt) schnell mal „too much“! 

Wer hier Ausschau hält nach einem Wandkalender, der Frauen etwas anders anspricht und durch das Jahr begleitet, findet im Folgenden zahlreiche Möglichkeiten, die für 2010 winken. Neben den Klassikern sind auch „Frauenkalender“ zu entdecken, die eigentlich gar keine sind. Aber doch zu schön sind, um nicht auch als solche zu gefallen. Hauptsache: Die Katze bleibt draußen!?

 

Etwa zugunsten eines Taschenkalenders, der sich das älteste weibliche Klischee der Welt vornimmt: die „Zicke“. Frauen, die vorlaut oder arrogant, dominant oder aufbrausend waren, hatten es zu allen Zeiten schon schwer. Als „Bad Women“ standen sie schnell im Fokus von übler Nachrede und Klatsch und Tratsch. Höchste Zeit, die Sache mal anders zu sehen – und sich vor den „größten Zicken der Geschichte“ zu verbeugen? Mit Porträts und Geburtstagen von Frauen, die als „unweiblich“ auffielen, wird hier auf die die „hohe Kunst der blasierten Beleidigung oder den gut getimten Wutausbruch“ verwiesen. Und drum herum: einige Hinweise auf die zickigsten Webseiten im Netz. 

Weniger provokant, aber auch angeblich typisch für „ihr“ Wesen: „Lesende Frauen“ sind das Motiv, mit dem dieser Wandkalender durch das neue Jahr führt. Es geht um den Moment, in dem alles in den Hintergrund tritt – weil sich das Buch vor einem auftut. Ein intimer Augenblick, der entspannen, zugleich aber auch leidenschaftlich beflügeln kann. Künstler vieler Epochen waren davon fasziniert und haben das abgebildet. Zwölf Kalenderblätter, auf denen lesende und schreibende Frauen (von Kate Chopin bis Doris Lessing) zu Wort kommen, sind hier nun versammelt. Mit Bildern von Degas und Hopper, Macke und Vallotton und anderen.   

Lesen und Schreiben sind auch hier zentral: Der Arche-Literaturkalender gilt als der Klassiker unter seinesgleichen und fängt auch für 2010 wieder Räume und Gedanken ein, die davon erzählen: Dass es nicht unbedingt das Wort ist, das am Anfang alles literarischen Lebens steht. Sondern oft auch nur – „weißes Papier“. Wie Autorinnen und Autoren mit diesem umgehen und wie auch der Wechsel vom Bleistift zum Laptop, vom Papier zum Bildschirm heute daran grundlegend nichts geändert hat, ist hier nun nachlesen. Susan Sonntag, Rolf Dieter Brinkmann über Momente von Lust und Last, Vergnügen und Verzweiflung, die zum Schreiben einfach dazugehören.  

Um mehr Frauenfiguren, aber nicht weniger Literatur, geht es hier: Der „Literarische Frauenkalender 2010“ streift durch die Gärten berühmter Frauen – und horcht dabei auf die Lust von Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, sich von Natur und Naturmotiven inspirieren zu lassen. Zu erleben sind 53 Ausflüge an „geheime Orte“, die mit Namen wie Hannah Höch, Marie Antoinette, Edith Warthon, Vita Sackville West, Colette und vielen mehr verbunden sind. Keine Lust auf Garten? Macht nichts. Die Londonerin Virginia Woolf fühlte sich auch viel stärker zu den Straßen der Metropole hingezogen – und dennoch zwischendurch auch zum idyllischen Grün. 

Aus der Form fallend – mit „Style & Taste 2010“ als Motto: Dieser Wandkalender zeigt klassische Accessoires, von denen Frauen angeblich unentwegt träumen. Es geht um Schmuck, Handtaschen und Schuhe. Mit anderen Worten: die üblichen Verdächtigen. Nur dass Fulvio Bonavia das Ganze einmal durch den Lebensmittelwolf gedreht hat – und so fotografisch anders in Szene setzt. Köstlich und albern, amüsant und zweideutig präsentiert sich so nun eine Handtasche aus Himbeerleder, die den Appetit anregt. Oder ein anderes Täschchen, das grob aus altem Käse gehauen wurde. Und man weiß nicht: Steigt einem das nun als schick oder reichlich würzig in die Nase? 

 

Über 53 Wochen blättert der Kalender „Künstlerinnen 2010“ in Wort und Bild das Leben und Werk von Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen, Musikerinnen, und Malerinnen, Tänzerinnen und Fotografinnen auf. Mit Namen wie Marlen Haushofer, Josephine Baker oder Niki de Saint Phalle geht es dabei auch um vergessene oder verdrängte, nicht anerkannte oder spät erst gewürdigte Akzente in Kunst und Kultur – kurz und gut: um die weibliche Seite des Ganzen mal wieder. 

Mädchen lesen, Jungen bolzen? War noch nie so – und spätestens seit den großen Erfolgen der DFB-Frauen haben die alten Denkmuster rund um den Ball und den Fußballkalender im Kinderzimmer ohnehin ausgedient. Was begeistert, kommt an die Wand. Und nun ja: Neben dem Barbieposter machen dort auch die weibliche Ikonen des Kicksports, Nadine Angerer, Simone Laudehr oder Birgit Prinz, längst eine gute Figur, wie der „DFB Frauen Kalender 2010“ zeigt. Anders als „Barbie Foot“, die selbst beim „Tischfußball“ nichts als rosa Zuckerpuppe bleibt?.  

Im „Aufbau-Literaturkalender“ wird man auf Puppen und Zucker garantiert nicht stoßen: Hier geben die Klassiker oder auch Gegenwartsautoren den Ton an, die mit ungewöhnlichen Sichtweisen oder Gedanken von brennender Aktualität überraschen können. In Wort und Bild kann man so Bettina von Arnim und Mascha Kaléko, Raymond Chandler, Lion Feuchtwanger und vielen anderen Dichtern neu begegnen.

 
„Die meisten Maler sind doof“, hat Daniel Richter einmal gesagt. Er ist einer von denen, die heute dem „New German Painting“ einen international erfolgreichen Anstrich geben. Ist dieser Erfolg aber nur eine Blase – und bald zerplatzt? Auch der Kalender „Neue deutsche Malerei“, der im Du Mont Verlag erschienen ist, liefert darauf keine Antwort. Er stiftet aber Bekanntschaft mit Arbeiten von Künstlern wie Jonathan Meese, Norbert Bisky und Daniel Richter, den großen Stars zwischen „Leipzig School“ und „DresdenPop“. Und daneben können kurze Auszüge aus Interviews auch neugierig machen. Nicht zuletzt auf drei Frauen, die hier mit von der Partie sind und zu entdecken: Rosa Loy, Karin Kneffel und Miriam Vlaming. Sind eigentlich auch die meisten Malerinnen doof?