Männerecke

Bob Dylan

Sie summt die Zeile vor sich hin, mit Sehnsucht und Südstaaten-Kratzen in der Stimme, doch ich kann ihr nicht helfen.

An einem Samstag Mitte September sind wir als Trio unterwegs, doch die Sensation wird nur von mir wahrgenommen: Als ich beim Gehen gleichmütig nach rechts schaue, kommt von oben ein rotes Laubblatt angeschaukelt. Ganz automatisch öffnet sich meine Hand, und ich schnappe es mit einer Lässigkeit aus der Luft, als würde ich Wechselgeld entgegennehmen und dabei noch mit dem Wind flirten.

"Hast du das gesehen..?"


"Mh?"


"Na, hier das Blatt.. das hab ich grade locker aus der Luft gepflückt.. ist mir direkt in die Hand getrudelt.. in the palm of my hand. Ich glaub, das ist mir noch nie passiert, in meinem ganzen Leben nicht."


"In the palm of my hand? Woher kenne ich das noch mal..?" stutzt die Gräfin."Bob Dylan?"


"Bob Dylan? Welcher Bob Dylan?"


"Wie, welcher Bob Dylan?"


"Na, hat doch jeder seinen eigenen Bob Dylan. Köln hat einen Bob Dylan, England hat einen Bob Dylan, Amerika hat hundert Bob Dylan.."


"Ich meine natürlich den echten Dylan, den Welt-Bob-Dylan. Der hat mal was mit 'in the palm of my hand' gesungen, aber ich kommt nicht drauf, welcher Song das war.." Sie summt die Zeile vor sich hin, mit Sehnsucht und Südstaaten-Kratzen in der Stimme, doch ich kann ihr nicht helfen.


"Auch nicht schlimm", meint sie schließlich, "Hauptsache, ich denke nicht an Palm-Fett, wenn ich palm höre, sondern an Bob Dylan. Ich bin immer noch ein Rocker."

 

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Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog "Studio Glumm" über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“ 

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