Wissenswertes

"Books for free"; – Heute schon „gemoocht“?

Keine Angst: In diesem Artikel geht es nicht um den Gebrauch verhasster Anglizismen, sondern vielmehr um die Nützlichkeit und Brillanz einer Internetseite, die hierzulande noch so wenig bekannt ist, dass sie dringend Beifall braucht.

„Moochen“ ist umgangssprachlich mit „Schnorren“ zu übersetzen. Auf www.bookmooch.com wird registrierten Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, im ungeliebten Teil des Bücherregals anderer Mitglieder – der verstaubten zweiten Reihe nämlich – zu stöbern, um sich eins dieser Bücher zu erschnorren. Während ich also meinen Jugendsünden ein jähes Ende setze und Rosamunde Pilcher zum Tausch anbiete und dabei das Herz eines anderen so richtig zum Schlagen bringe, verscherbelt die ältere Klientel zum Beispiel gerne die für das Gemüt oft zu schwer gewordenen Klassiker der deutschen Literatur.

Für jedes eingestellte und zum „Wegmoochen“ freigegebene Buch werden einem Anbieter 1/10 Punkte gutgeschrieben. Schnell nachgerechnet: Zehn zur Verfügung gestellte Bücher bringen also einen ganzen Punkt. Ohne je ein Buch verschickt zu haben, kann mit diesem Guthaben schon gleich ein Buch „erschnorrt“ werden. Der Buchgeber verdient wiederum im Gegenzug einen Punkt. Das Ganze gilt für den Handel hierzulande – denn Bestellungen aus dem Ausland kosten zwei, bringen aber ganze drei Punkte. Wer keine Bücher ins Ausland versenden möchte, braucht das aber auch nicht zu tun.

Das Prinzip des Gebens und Nehmens geht auf, dauert zwar etwas länger als der Kauf gebrauchter Bücher bei eBay, Amazon oder booklooker, macht dabei aber eindeutig auch mehr Spaß. Und das Ganze läuft völlig ohne die übliche kleingeldliche Hin- und Herschieberei ab: Der Buchgeber übernimmt schließlich den Versand im Briefumschlag und zu den Konditionen der „Büchersendungen“.

Mein persönliches „Moochverhältnis“ von drei gegebenen Büchern, fünf geschnorrten in drei Wochen und insgesamt dreißig Angeboten, stimmt mich zutiefst zufrieden: Beim Aufreißen der Luftpolsterumschläge hüpft jedes Mal mein Herz, und meine seit Jahren verschmähten Staubfänger hinter Böll, Grass, Fowles werden so nun vor dem Reißwolf bewahrt. Und finden in einem anderen Bücherschrank vielleicht ein neues Zuhause.