Wissenswertes

Braucht es eine Finanzseite im Internet für Frauen?

Ja, denn für sie sind andere Aspekte wichtig, sagt Helene Conrady, Chefredakteurin von "finanziella", im Interview.

 

vom 11.01.11

Inwiefern stellen sich Finanzfragen für Frauen anders als für Männer?


Die Altersvorsorge ist beispielsweise so ein Thema. Viele Frauen erhalten geringere Renten als Männer. Dies liegt auch daran, dass sie ihre Berufstätigkeit länger unterbrechen, um sich Kindern und Familie zu widmen. Das bedeutet: Sie müssen privat vorsorgen, und das auch in der Phase, in der sie nicht berufstätig sind.


Aber bei Geldanlage und Investments dürfte es doch keine Geschlechterunterschiede geben?


Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen vorsichtiger und konservativer anlegen – aber langfristig oft mit mehr Erfolg als Männer, die mehr riskieren und oft zu einem eher sprunghaften Anlageverhalten neigen. Frauen überlegen sorgfältig, ehe sie sich entscheiden, aber dann greifen sie zu nachhaltigen Investments und bleiben ihren Zielen treu.


Soll das heißen, dass Frauen weniger auf die Rendite achten?


Gute Rendite ist immer wichtig. Aber Frauen berücksichtigen auch andere Aspekte. Viele legen Wert auf ethische Anlagekriterien, sie investieren in umweltfreundliche Technologien oder in gesellschaftlich verantwortungsvolle Projekte. Männer wollen konkurrieren und um jeden Preis gewinnen. Auch Frauen wollen Chancen wahrnehmen, aber nicht zu Lasten anderer.


Definiert sich eine Frauenfinanzseite durch ihre Inhalte?


Wesentlich, aber nicht nur. Auch die Aufmachung und der generelle Themen-Mix sind anders als für eine männliche Zielgruppe. Untersuchungen zeigen, dass Frauen einen anderen Blick haben als Männer. Ihnen ist es wichtig, dass die Nachrichten in einem ästhetisch ansprechenden, möglichst werbefreien Umfeld präsentiert werden. Sie wollen nicht dieses Pseudo-Technische vieler Finanzseiten, diese Chart- und Tabellenwüsten, diese Protzerei mit Facts and Figures, Performance und Benchmarks. Stattdessen mögen sie verständlich geschriebene, flüssige Texte mit einem Quäntchen Humor.


Was zeichnet gute Frauenfinanzberatung aus?


Das Wissen um frauenspezifische Interessen und Bedürfnisse. Die Bereitschaft zuzuhören und in einen Dialog einzutreten – denn Frauen wollen viel wissen, bevor sie sich entscheiden. Die Berater müssen die ehrliche Absicht haben, die individuell besten Lösungen zu finden, ohne Produktverkaufe und Provisionsgier. Auch das Umfeld ist wichtig: Das Ambiente muss stimmen, und die Beratung sollte durch eine Frau erfolgen.


Ist in Zeiten von Blogs und Social Networks eine journalistisch professionell gemachte Website wie "finanziella" nicht längst ein Modell von gestern ?


Im Internet gibt es zwar eine große Fülle von Informationen, aber oft kopiert der eine nur den Text vom anderen. Manchmal fehlt die Informationstiefe; entscheidende Fragen werden nicht beantwortet. Hinzu kommt: Wie wollen Sie aus der Menge das wirklich Wichtige herausfischen? Wer hat die Zeit dazu? Als Journalistinnen treffen wir eine Auswahl für unsere Leserinnen, mit der wir ihnen helfen, eine eigene Meinung zu bilden.

 


(Die Düsseldorfer Journalistin Helene Conrady ist Chefredakteurin von finanziella und Partnerin in der Kommunikationsagentur words unlimited, die finanziella veröffentlicht.)

 

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Fotos: neerijus via stock.xchng und finanziella.de