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Buch der Sehnsüchte

Leonhard Cohen über Männer und Frauen, Meditation und Zigaretten, die Liebe und das Leben.

Leonard Cohen, geboren 1934 in Montreal, wurde als Sänger und Songwriter melancholisch-spöttisch-zärtlicher Lieder weltweit berühmt, aber er ist auch ein bekannter Autor. Das Ergebnis seiner Arbeit: elf Bücher und 17 Schallplatten. Zwischendurch wurde ihm der ganze Rummel zu viel,  und er zog sich in ein Zen-Kloster auf dem kalifornischen Mount Baldy zurück. Unter dem (laut Bucheinleitung ironisch gemeinten) Namen Jikan, der Stille, wurde er sogar Mönch. Nach fünf Jahren hatte sich sein Sinn für Komik allerdings auch der gesuchten Erleuchtung bemächtigt, und Cohen kehrte aus der buddhistischen Gelassenheit zurück ins heftige Normalleben Amerikas.

In diesem mit seinen kritisch-fröhlich kommentierten Selbstportraits und Frauenzeichnungen bildschön illustrierten kleinen Buch sammelte er Gedichte und Geschichten aus den vergangenen Jahrzehnten. Die Perlen seiner Kunst? Wahrscheinlich, obwohl - eher sind es grandios geschliffene Diamanten, denn mehr noch als in Cohens anderen Büchern oder in seinen Songs funkelt im „Buch der Sehnsüchte“ sein Witz, seine Selbstironie, seine Freude am Leben, oft gemischt mit der Melancholie des zumindest ein bisschen gläubigen Juden, aber die zeigt sich völlig unwehleidig. 

Die hier zusammengestellten Epigramme, Zen-Sprüche, Gedichte, Songs und Geschichten erscheinen nun zum ersten Mal auf Deutsch, übersetzt wurden sie von sehr bis etwas bekannten deutschen Dichtern. Nicht unbedingt wörtlich, aber immer sehr „cohen-mäßig“. Das kann der Leser sogar nachkontrollieren, denn: Zumindest in den Bildern stehen die Originalworte, so wie Cohen sie hineinschrieb, aber drunter, sehr klein, findet man auch die Übersetzungen. Und die passen immer. Perfekt.

Ein „Buch der Sehnsüchte“? Eher ein Buch, das die Sehnsucht von Freunden der Poesie und Fans von Leonard Cohen befriedigt und sie glücklich macht.