Männerecke

Carrerabahn

Als Kind wollte die Gräfin unbedingt eine Carrerabahn haben. Eine wie die Jungs ...

Als Kind wollte die Gräfin unbedingt eine Carrerabahn haben. Eine wie die Jungs aus der Nachbarschaft, eine mit Tribünen und echten Spuren, keine mit Servolenkung, die nichts taugte und wo die Wagen dauernd aus der Kurve krachten, doch sie biss auf Granit: Mutter war strikt dagegen, und Vater hatte nichts zu melden.

Mutter ging es dabei ums Prinzip.
"Ihr Kinder spielt einmal damit und dann steht die teure Bahn in der Ecke und verschimmelt."
"Nein, Mama! Ganz bestimmt nicht! Wir spielen die ganze Nacht..!"
"Ihr sollt nachts schlafen, nicht Rennen fahren!"
"Nein, ja, ich mein, wir spielen die ganzen Ferien mit der Carrerabahn und danach auch.. jeden Tag.. nach den Schularbeiten! Bitte, Mama, bitte!!"

Die kleine Gräfin flehte, und sie vergoss Tränen und stampfte wütend auf ("Ich will aber! Ich will aber!!"), sie gab alles. Sie holte ihre kleine Schwester ins Boot, obwohl die so klein war, dass sie gar nicht wusste, was eine Carrerabahn sein sollte, und zuletzt reihte sich selbst Vater in den Bitte!Bitte!-Chor ein, doch Mutter blieb hart.
"Eine Carrerabahn kommt mir nicht ins Haus!! Fertig! Aus!"

Drei Jahrzehnte später kehrt die Gräfin mit einem epileptischen Gerät von der Shoppingtour zurück. (Ihr Patenkind hatte ihr zugesetzt: "Du bist doch eine Frau, du musst doch einkaufen gehen!")
"Blödmann. Das ist ein Epiliergerät."
Marke: Carrera.

Sofort steckt sie einen Enthaarungsparcours auf ihren Beinen ab und fährt einen heißen Schluffen, begleitet von echten Rennfahrergeräuschen, die sie ihrer Mutter per Liveschaltung aus der Boxengasse übermittelt:

"Hörst du, Mama? Ich hab mir eine Carrerabahn gekauft!"

 

 

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Andreas Glumm schreibt regelmäßig in seinem Weblog "Studio Glumm" über sich und seine Lebensgefährtin, genannt die „Gräfin“, und den Hund „Frau Moll“ 

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