Kerle & Küche

Choucroute à la Liégeoise

Jedermann weiß, dass die Deutschen im Englischen gerne als „Krauts“ bezeichnet werden. Da nutzt es wenig, auf die tollen Dosenkochkünste seiner Eltern hinzuweisen:

Man muss wohl Farbe bekennen, und im Falle des Sauerkrauts gibt es nur eine: das tiefe Rot der Backen, an dem sich Genuss und Wohlsein messen lassen. 

 

Also ran an den Kopftopf, egal wo man jetzt gerade ist, und alles rein, was man in der Nähe so finden kann: mit Sauerkraut wird das schon. Als Beispiel eine Variante mit Zutaten aus Lüttich; diese können aber auch durch die deutsche Entsprechung ersetzt werden. Es handelt sich hier um ein Originalrezept (für 4 Personen), das in keinem Kochbuch der Welt zu finden ist.

 

Man nehme:

1,5 kg Kartoffeln festkochend

1 kg Sauerkraut (abgepacktes ist okay, allerdings KEIN Weinsauerkraut, auch kein Filderkraut, „Spitzbüble“ oder ähnliches!!)

2 große Äpfel Jonagold oder Boskoop

2 Birnen (reif)

mind. 70 gr „Sirop de Liège A.O.C.“ (deutsche Entsprechung ist „Grafschafter Goldsaft“ oder „Fenner Harz“)

ca. 50 gr Rosinen

50 gr Käse „Fromage de Herve A.O.C.“ (deutsche Entsprechung gibt es meines Wissens nicht. Am ehesten tut es vielleicht Munster-Käse aus dem Elsass: leicht flüssig und im Geruch sehr intensiv)

ca. 250 gr Lardons (oder Speckwürfel), in Würfel geschnittener Ardenner (oder Schwarzwälder) Schinkenspeck, der kein Wasser zieht, ist noch besser

1 Prise Salz, ein wenig Pfeffer, eine Prise Zimt u. Zucker

1 Flasche (0,7l) Cidre BRUT (nicht den süssen Demi-Sec)

Dauer der Zubereitung: mind. 1 1/2 Std.

 

Zubereitung:

Die Kartoffeln sorgfältig putzen und als Pellkartoffeln mit Haut unabhängig vom Kraut kochen.

 

Das Sauerkraut sorgfältig abtropfen lassen und in 0,3 l Cidre eine Weile ziehen lassen. Die Herdplatte anstellen und das Sauerkraut im Cidrebad anköcheln. Nach und nach Äpfel und Birnen (in kleine Würfel geschnitten) beigeben. Dann soviel Sirup (oder Goldsaft) beimischen, bis das Sauerkraut im Saft eine tiefdunkle braune Farbe erreicht (je mehr, desto süßer…). Zimt, etwas Zucker, Salz und Pfeffer dazugeben, eventuell Cidre nachgiessen. Danach das Kraut mit einem (nach Möglichkeit sauberen) Geschirrtuch zudecken, später einen Deckel drauf. Ca. 30 Minuten kochen lassen.

 

Während dieser Zeit die Speckwürfel separat braten und den Tisch decken. Nach 20 Min. die Rosinen beigeben, evt. Cidre nachgießen (Topfboden muss immer bedeckt bleiben), Käse in kleine Würfel schneiden.

 

Schließlich den Topf von der Platte nehmen, die Käsewürfel hineinstreuen und verrühren. Zusammen mit den Kartoffeln heiß servieren, dazu die Speckwürfel zum Garnieren. Ansonsten bleibt das Sauerkraut streng vegetarisch, ob vegan und glutenfrei, sei dahingestellt. Zum Gericht schmeckt am besten Starkbier, z.B.  Andechser Doppelbock, ansonsten Cidre (für die, die noch nicht genug haben).

 

Das Sauerkraut ist gelungen, wenn

– es seine Säure fast verloren hat und angenehm süß-sauer schmeckt

– sich bei den Tischnachbarn die Backen röten

– einen beim Essen eine plötzliche Wärme durchströmt

– die Fensterscheiben allmählich beschlagen

 

Guten Appetit!!

 

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Ingo Baltes kocht eigentlich nichts gern außer Sauerkraut. Er lebt mit Frau und bald zwei Kindern in Brüssel.

 

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