Weibchenschema

Clap Your Hands Say Yeah!

Der Feminismus möchte nicht länger den Partykiller spielen, streift sein altes Image ab und gibt Neues zu entdecken. Und die Medien geraten in Stimmung: Prüde, verkrampft und aus der Zeit gefallen – das war doch gestern! Aber was ist heute?

Die Frage ist alles andere als geklärt. Und gerade beschäftigt sie nicht nur die jüngere Frauenbewegung – sondern überhaupt und querfeldein die Medien. „Brauchen wir einen neuen Feminismus“, möchte etwa „Die Zeit“ (Campus 2/2002) wissen, während Charlotte Roche mit ihrem Roman „Feuchtgebiete“ auf allen Kanälen provoziert und schon einmal verdeutlicht, wie ein solcher aussehen könnte: Nicht so „prüde“, nicht so uncool und auch nicht so „männerfeindlich“ wie das, was uns EMMA & Co vermeintlich bisher bescherten.

Supersache, vor allem für die armen Männer? Weil diese sich bis dato so vergeblich der Frauenbewegung an den Hals warfen – und stets nur rüde Abfuhr erlebten? Dass der Feminismus eine exklusive (und Männer unterjochende) Angelegenheit sei, die viele und vieles von vornherein ausschließt, ist nicht nur ein dummes Klischee. Es ist unter den vielen Negativklischees, die rund um das „böse F-Wort“ blühen, vermutlich auch das irrationalste.

Denn wer möchte schon heute noch seine Stimme erheben gegen eine Überzeugung, die darauf pocht: Männer und Frauen sind gleichwertig. Und weil das so ist, brauchen Frauen auch die gleichen Rechte wie Männer und die gleichen Chancen und Verantwortungen, über ihr Leben und den eigenen Körper selbst zu bestimmen. Nichts anderes will Feminismus – zumindest im Grunde seines (oder besser: ihres) Herzens. Eine skandalöse Forderung? Selbstverständlich und zum Glück im 21. Jahrhundert nicht mehr. Merkwürdig aber, dass dennoch so viele (und sogar Frauen) mit dem Feminismus erklärtermaßen nichts am Hut haben.

„Der Feminismus hat einen schlechten Ruf. Und zwar bei so ziemlich allen unter 30“, stellt etwa auch Meredith Haaf in einem „Zeit“-Artikel fest, der gegen den grassierenden Unmut endlich wieder Stimmung machen möchte. Denn wer kennt die paradoxe Situation nicht: Man werfe einmal die Frage, ob jemand sich für feministisch halte, in eine Runde – und in aller Regel bekommt man geballte Erklärungsnot zurück und an den Kopf geschmissen. „Nein, das nicht, aber …“ ist ein Muster, das häufig bemüht wird. Wobei nach dem „aber“ allerdings nicht selten dann doch die Checkliste dessen folgt, worauf man auf keinen Fall verzichten möchte: Gleichberech-
tigung. Emanzipation. Und die Freiheit, selbst zu wählen, als Mann oder auch als Frau, ob den Beruf oder einen Partner.

What’s up? Ist der Feminismus heute zu einer Bewegung mutiert, in der es vor Undercover-Agentinnen nur so wimmelt? Oder wie ist es zu erklären, dass der Frauenbewegung im Moment die Bewegung abhanden zu kommen droht? Meredith Haaf, die gerade als Mitautorin des Buches „Wir Alphamädchen“ in Erscheinung trat, nennt zahlreiche Gründe und darunter auch das negative Image, das auf dem F-Wort laste:

„Der Feminismus vereint nach wie vor viele Gegner aus dem gesamten politischen Spektrum: Publizistinnen und Publizisten bemühen seit Jahren die immer selben Negativklischees. Konservative machen ihn für den angeblichen Zerfall der deutschen Familie und die drohende demografische Katastrophe verantwortlich. (…). Dazu kommt, dass die feministische Szene in Deutschland auf viele Frauen wie eine geschlossene und nicht unbedingt tolerante Gesellschaft wirkt.“

Es ist nicht zuletzt dieses negative Image, gegen das Meredith Haaf oder auch Charlotte Roche und viele jüngere engagierte Frauen derzeit Sturm laufen. Mit Gesten und Parolen, die einiges von dem, was dem Feminismus verloren gegangen scheint, zurückerobern möchten. Wobei zu beobachten ist, dass es nicht nur allein um die breite Basis geht – sondern auch um Sexappeal und Lust an der Provokation. Um Reize einer Popkultur also, die Identität stiftend wirken und so beides zugleich sein können: dem Feminismus eine Konkurrenz und mögliche solidarische Kraft.

Wenig verwunderlich, könnte man also meinen, dass so manche Einladung zur Neuentdeckung des F-Wortes derzeit so rüberkommt, als würde für ein hippes Partyevent geworben, das man nicht verpassen darf. „Feminismus (...) kann jung, cool und auch intellektuell anspruchsvoll sein, er kann Spaß machen. Und das Beste: Die Männer können dabei sein, das sollen sie sogar“, schreibt Meredith Haaf. Clap Your Hands Say Yeah!?

Nun gut. Man darf gespannt sein und sollte genau hinhören, was der neue Soundtrack nun befördern mag. Denn nicht zuletzt das Beispiel Charlotte Roches zeigt, dass in den Medien derzeit zwar eine große Bereitschaft herrscht, zu den neuen Tönen der jüngeren Frauenbewegung lustvoll mitzuwippen. Doch was daran ist Skandallust – und was wirklich Lust auf die Idee der Emanzipation? „Ein Frauenporno“ – und „das Feuilleton vibriert“, wie bereits Susanne Mayer reichlich entnervt in der „Zeit“ den Hype um das Buch der TV-Moderatorin kommentierte ... das wäre als Ergebnis dann doch etwas wenig.