War was?

Dann wird's wohl demnächst der Storch richten müssen

Das ist doch schon außergewöhnlich - die Hebammen in Deutschland arbeiten bald nur noch für die Berufshaftpflicht - und das nicht etwa, weil die Geburtenrate in Deutschland stetig sinkt.

Selbstständige Hebamme in Deutschland zu sein, bedeutet heutzutage entweder den Beruf zum Hobby mit Berufung zu machen oder sehenden Auges einer lebenslangen Verschuldung entgegenzugehen. Denn entweder "fressen" die Kosten für die mehr als 20fach gestiegene Berufshaftpflicht den Verdienst auf, oder die Hebamme zahlt zeit ihres Lebens, wenn sie als Verursacherin für einen Fehler während der Geburt ausgemacht wird. Aber auch für die angestellten Hebammen wird die vergleichsweise astronomisch gestiegene Berufshaftpflicht bald zum Knock-Out-Kriterium für ihren Beruf werden. Denn angestellte Hebammen müssen sich selbst versichern, da kommunale oder private Krankenhäuser zu niedrige Deckungssummen für die Hebammen kalkulieren. All dies führt, über kurz oder lang, zu einem Mangel an Hebammen, vor allem in ländlichen Gebieten. Denn auch wenn eine Hebamme ihren Verdienst über Hausgeburten (und damit dem höchsten Satz von 537 € pro Geburt) erarbeitet, müsste sie bei sechs Geburten begleiten, um ihre Berufshaftpflicht abzubezahlen.

 

Nun könnte man meinen, dass die Lösung des Problems darin liegen könnte, die ausgesprochen bescheidene Entlohnung der Hebammen von durchschnittlich 7,50 € auf ein angemessenes Maß zu erhöhen, dann gezahlt von Krankenkassen bzw. Klinikträgern. Deren Widerstand gegen Kostenerhöhungen aber ist schon programmatischer Bestandteil ihrer tagtäglichen Agenda. Und so hat die Bundesregierung, eigentlich die ganze Bundesrepublik, einen hausgemachten Konflikt aufzulösen, der sich an den Problemen der Hebammen nicht einfacher hätte darstellen lassen. Hier sparen (Struktur abbauen, humanes Kapital zum Fenster hinauswerfen, mittel- und langfristig Kosteneffizienz erzwingen), dort glänzen (mit hochentwickelter Wissenschaft und Technologie, mit steigenden Geburtenraten, mit einem Gesellschaftsmodell, das den Wohlstand ALLER im Mittelpunkt der Bemühungen hat).

 

Ein erster Schritt der Betroffenen (Frauen wie Männer) sollte es sein, die Petition des Deutschen Hebammenverbandes an den Bundestag durch eine Unterschrift zu unterstützen. Wie der zweite Schritt auszusehen hat, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Probleme, wie sie die Hebammen plagen, haben wir in Deutschland aber gewiss genügend.