Anderswo

Das andere Geschlecht – nur eine Höhlenmalerei?

Immer mehr Bestseller erklären uns, was Mann und Frau unterscheidet. Angeblich vieles. Denn wo uns die Steinzeit biologisch in den Gehirnen sitzt, kann sie nicht einparken und er muss immer wieder auf die Jagd gehen – nach One-Night-Stands und dem größten Stück Fleisch. Was sagt die Forschung? Alles halb so wild! Denn der kleine Unterschied – er sei ein hochgerechneter Faktor in unseren Köpfen.

Von: Gabriela Häfner, Fotos: stock.xchng

vom 08.02.07

 

Unbestritten: Männer und Frauen verhalten sich nicht immer gleich. Woran das liegt? An einer Erblast aus der Urzeit, meinen die einen. An einem Prozess kultureller Prägung, meinen die anderen. Wobei die einen meist Bestseller schreiben und die anderen Forschungsgeschichte.

 

Louann Brizendine, Neuropsychiaterin aus San Francisco, gehört zu jenen, die lieber mit guten Verkaufszahlen der Nachwelt in Erinnerung bleiben möchten. Ihr Buch "Das weibliche Gehirn - Warum Frauen anders sind als Männer" erscheint nun auch auf Deutsch, nachdem es in Amerika bereits gut an seine Leser gekommen ist und aufgeregt diskutiert wurde. Auch bei diesem seitenstarken Werk wird viel Wirbel um Hirnhälften und Hormonspiegel gemacht, wie es halt gerade in der Geschlechterdiskussion groß in Mode ist. Wozu? Um festzustellen: „Das Unisex-Gehirn gibt es nicht!“

 

Gut. Wirklich nicht? In einem Artikel des Magazins "Spiegel" hat Rafaela von Bredow sich die Mühe gemacht, unter Forschern nachzufragen, um uns auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen. Und wo die Experten aus dem Nähkästchen plaudern, wird vieles wieder abgeräumt, was uns an Trennkost und Trendkost derzeit immerzu aufgetischt wird. Mann und Frau – schon von Geburt auf Unterschied geeicht? Ganz im Gegenteil, meinen die Stimmen, die Rafaela von Bredow zu Wort kommen lässt.

 

„Mann und Frau unterscheiden sich kaum. Dort, wo sich Andersartigkeit messen lässt, spielt sie entweder keine Rolle für den Lebensalltag oder ist unbedeutend klein. Vor allem aber gibt es gute Gründe, sie nicht als Ergebnis biologischer Bestimmung zu sehen“, so fasst die Autorin zusammen, was Wissenschaftler sagen.

 

Wieder einmal die üblichen Verdächtigen befragt? Von Wegen. "Nicht politische Korrektheit oder feministischer Eifer treibt die neuen Gleichmacher unter den Forschern - das macht sie glaubwürdig. Denn all jene Biologen, Neuropsychologen, Anatomen, die jetzt die Gleichheit der Geschlechter ausrufen, begannen einst als hauptamtliche Fahnder nach der biologischen Differenz von Mann und Frau. Aber sie konnten den großen Unterschied nicht finden. Beim besten Willen nicht."

 

Und auch Lutz Jäncke, Neuropsychologe von der Universität Zürich, konnte diesen Unterschied nicht finden: „Ich bin als Löwe gestartet und als Bettvorleger geendet", bekennt er. Ob Louann Brizendines Buch vor diesem Hintergrund ein ähnliches Schicksal ereilen wird?

 

Wer Rafael von Bredows Artikel "Das gleiche Geschlecht" - hochamüsant und sehr informativ- in voller Länge genießen möchte, kann das leider nur noch über das kostenpflichtige Spiegel-Archiv - hier. Wer auf andere Weise mehr über das Thema erfahren möchte, kann auch dort vorbeischauen.