Fürs Auge

Das Bisschen Haushalt…

Paart man den schönen Schein von der braven Hausfrau mit einem emanzipierten, selbstbewussten Geist, kommt das hier heraus:

Von: Bärbel Kerber, Fotos: Anne Taintor by Chronicle Books

vom 20.07.06

„I’m becoming my mother“ – „Ich bin schon wie meine Mutter“: So lautet wohl der schlimmste Albtraum der modernen Frau.  Anne Taintor – eine Künstlerin und Illustratorin aus den USA – setzt diesen Albtraum gewitzt um und betitelt so auch einen ihrer neuesten Bildbände*. Sie, die von sich selbst sagt, sie hätte nicht einmal gelernt, wie man Wasser kocht, spielt gekonnt mit den Erwartungen und Bildern von der perfekten Hausfrau, Mutter oder Frau „an seiner Seite“. Die Mär von der mit Liebe, Sorgfalt und Freude für ihre Familie backende, kochende, putzende Frau  – Klischees, die ja heute immer noch quicklebendig sind -, Anne Taintor hält sie uns in ihren Bildcollagen vor die Nase bzw. das Auge. Ihre Technik dabei ist simpel und wirkungsvoll. Sie zeigt auf Vintage-Fotos adrett gekleidete Frauen in ihrer häuslichen Idylle und am Herd, um ihnen dann freche Sprüche in den Mund zu legen.

 

 

Da steht sie, bezaubernd lächelnd und frisch gefönt in einer geblümten und gestärkten Küchenschürze vor dem geöffneten und gut gefüllten Kühlschrank und fragt mit Unschuldsblick „Was denkst du wohl, wo bin ich tätowiert?“ Oder wie hier links in dem Bild die Frau zuckersüß ansagt:  „Mach dein eigenes verdammtes Abendessen.“ Wieder eine andere Collage zeigt die freudestrahlende Hausfrau, die einen Schnellkochtopf aus dem Geschenkpapier wickelt und dazu meint: „Wow, danke Weihnachtsmann… aber ich wünschte mir doch eigentlich Fertiggerichte.“

  
Na, ertappt? Auf den Fotocollagen sprechen die Frauen aus, was viele wohl lieber nur denken und vermutlich auch frühere Generationen schon dachten. Absolut lohnenswert, reinzuschauen. Eine Menge Déja-vu-Erlebnisse und lautes Gelächter sind garantiert! Taintor spricht mit ihrem subtilen Humor vielen Frauen aus der Seele.

 

Und wie hat sie selbst den Spagat zwischen idealtypischem Frauenbild und modernen Vorstellungen geschafft? Nun, Taintors Mutter fand es unnötig, ihre Tochter in die Kunst der Haushaltsführung einzuweisen. Allerdings weniger, weil sie so fortschrittlich dachte, sondern eher, weil sie der Meinung war, ihr Kind verdiene einen Mann, der Geld genug für eine Haushaltshilfe hat, um ihr Spülhände zu ersparen. Tatsächlich musste Taintor bis heute nichts dazulernen – nicht weil sie einen reichen Mann heiratete, sondern weil sie, wie sie stolz erzählt „einen Mann fand, der selbst kocht, putzt und einkauft…“. Na, herzlichen Glückwunsch Anne!

  

*  bisher nur in Englisch erhältlich