Männerecke

Das erste Essen bei Kerzenlicht

Warum zweimal nachdenken für einen Mann oft billiger ist

Von: Claudius Holzwarth, Foto: photocase.com

vom 10.09.06

Neulich hatte ich mit Freunden ein Gespräch über das berühmte erste Mal, dabei ging es nicht nur um das sexuelle erste Mal, sondern generell was einem in Erinnerung geblieben ist, wenn man so an die erste oder die ersten Beziehungen denkt.  Nach kurzem Nachdenken ist mir der erste große Streit mit meiner ersten richtig wichtigen Freundin eingefallen.

Alles hatte eigentlich ganz harmlos angefangen, wie so immer halt, bis ich plötzlich ohne viel zu überlegen, irgendwas sagte, was ihr gar nicht gefiel. Ja, ich weiß noch, was ich damals sagte, aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte... Ich habe das ganze damals auf Sprachprobleme geschoben und wollte nicht glauben, dass das, was ich gesagt hatte, sie wirklich so verletzt hatte. Ich Deutscher, sie aus der Slowakei und wir beide in London, da kann es schon mal zu Sprachschwierigkeiten kommen, aber bis ich begriffen hatte, dass sie einfach nur auf eine ordentliche Entschuldigung wartete, war es längst zu spät. Die letzte Möglichkeit, die ich hatte, war, sie zu ihrem Lieblingsitaliener einzuladen. Sie willigte ein, doch als ich ihr Lächeln dabei sah, wurde mir klar, dass es ein teurer Abend werden würde...

Es war so ein Italiener, bei dem man vorher einen Tisch reservieren oder verdammt Glück haben musste – ausnahmsweise hatten wir Glück, denn ich hatte vergessen zu reservieren, was fast den nächsten Streit heraufbeschwor, und ich glaube, in diesem Moment schwor sie sich, diesen Abend für mich und meinen Geldbeutel unvergesslich zu gestalten.


Als der Kellner kam und bevor ich irgendwas sagen konnte, bestellte sie zwei Gläser Champagner und wir stießen an – auf einen unvergesslichen Abend meinte sie lächelnd. Gut, eigentlich war mir bewusst, dass die Frage überflüssig war, ob wir uns eine Vorspeise teilen würden (was wir sonst immer machten), doch dann wurde sie richtig böse, sie bestellte sich das Teuerste, was sie auf der Karte finden konnte, die Fischplatte. Das Böse daran war nicht, dass es das Teuerste war, sondern dass sie überhaupt keinen Fisch mochte und nur die Beilagen aß und den Rest liegen ließ. Ich gebe es zu, der Nachtisch war wirklich verdammt lecker...

 

Als die Rechnung kam, versuchte ich locker zu bleiben und bezahlte mit einem Lächeln. Ich erzählte ihr nie, was es eigentlich gekostet hat, denn das hätte ihr dann leid getan, und das wollte ich nicht. Ich wusste ja, weswegen der Abend so teuer war, und ich weiß auch, dass ich schuld daran war. Ich verdiente damals 60 Pfund die Woche. So viel hat auch der Abend gekostet, es war wirklich der teuerste Abend meines Lebens.