Weibchenschema

„Das Eva-Prinzip“: Rückkehr zu Heim und Herd?

„Hausfrauen und Mütter dienen unserer Gesellschaft weitaus mehr als Karrierefrauen, die nur auf sich ausgerichtet sind“, sagte „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman (47) im August in der „Bild am Sonntag“.

Von: Annika Senger, Fotos: photocase.com

vom 23.08.06

Damit aber noch lange nicht genug: „Der Feminismus hat uns eingeredet, dass Frauen nur dann etwas wert sind, wenn sie arbeiten und Geld verdienen. Das finde ich fatal", war weiter von ihr zu vernehmen.

 

Mal ehrlich, wenn man solche Aussagen liest, dann mag man doch gar nicht erst glauben, dass sie aus dem Mund einer Frau stammen, die seit Jahren erfolgreich im Berufsleben steht – nicht nur bei der „Tagesschau“, sondern unter anderem bei der Talkshow „Herman & Tietjen“ im Norddeutschen Rundfunk. Seit einiger Zeit ist Herman auch als Buchautorin tätig: Im September erscheint ihr Buch „Das Eva-Prinzip – Für eine neue Weiblichkeit“. Nach Angaben des Verlags plädiert sie darin für „eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren.“

 

Eine provokante Forderung, die Ursula von der Leyens Ambitionen, Männer und Frauen bei der Kindererziehung gleichzustellen, mit einem Schlag über den Haufen wirft. Sogenannten „Karrierefrauen“ unterstellt Herman, überfordert, ausgebrannt und unglücklich zu sein. Da drängt sich doch sofort die Frage auf: Spricht die Hamburgerin etwa aus eigener Erfahrung? Oder welch anderen Grund sollte die Mutter eines achtjährigen Sohnes für ihre Pauschalisierung haben, berufstätige Frauen liefen Gefahr, „aggressive, bindungslose und seelisch verwahrloste Kinder“ heranzuziehen? Ist das der Grund, weshalb sie Ende August eine Auszeit von der „Tagesschau“ nehmen möchte? In diesem Zusammenhang muss man jedoch anmerken, dass sie durchaus beabsichtigt, für andere TV-Sendungen auch weiterhin vor der Kamera zu stehen.

 

Konsequent ist das nicht – und vor allen Dingen unglaubwürdig: Das „Eva-Prinzip“ ist schließlich nicht auf dem Mist einer Frau gewachsen, die nur auf Heim und Herd fixiert ist und darüber hinaus kein Verlangen hat, sich beruflich zu entfalten. Nein, Herman hat eindeutig von der Frauenbewegung profitiert – Alice und Co. sei Dank. Sie scheint sogar so emanzipiert zu sein, dass sie es schafft, Kind und Karriere miteinander zu kombinieren.

 

Dass Besteller-Autorin Ildikó von Kürthy („Mondscheintarif“) Herman für ihre Thesen kritisiert, ist mehr als verständlich. „Ich halte das für großen Quatsch, diese Glorifizierung von Frauen mit Kindern: Als würde erst das ein Frauenleben lebenswert oder sinnvoll machen. Das ärgert mich wahnsinnig“, sagte die werdende Mutter in der ARD-Talkshow „Beckmann“.

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Zum Ärger hat von Kürthy allen Grund: Immerhin kämpfte die Frauenrechtsbewegung der 60er und 70er Jahren unter anderem für das Recht der Frau, sich frei entscheiden zu dürfen. Und anno 2006 kommt plötzlich eine Tagesschausprecherin daher, die versucht, kinderlosen Frauen Schuldgefühle einzureden. Gerade jetzt, wo selbst das Land von einer Frau (ohne Kinder, wohlgemerkt!) regiert wird, sollte es erlaubt sein, trotzig und mutig gegen das „Eva-Prinzip“ die Stimme zu erheben: „Nein, ich will keine Kinder! Ja, ich stehe zu meinem Egoismus, denn es macht mir Spaß, mich ohne Einschränkungen persönlich zu entfalten! Ich blicke gerne auf die Früchte meiner Arbeit zurück, weil sie mein Leben erst lebenswert machen!“

 

Ob Frau in dieses Protestgeschrei mit einstimmt oder Hermans Meinung als ihre eigene bezeichnet, sollte allerdings jede für sich entscheiden…