Weibchenschema

Das Internet klärt auf

Es gibt Dinge, die möchte man nicht wirklich wissen. Zum Beispiel inwieweit Zitronensaft bei einem Vaginalpilz helfen soll...

Ich gehe langsam auf die 40 zu, und wie bei vielen in meinem Alter liegt der Biologieunterricht Jahre zurück. Dazu kommt auch noch mein schlechtes Gedächtnis. Stört mich nicht weiter. Leber, Augen und alles andere funktioniert auch trotz meiner Ignoranz.  Aber manchmal läuft eben nicht alles rund. Ganz unangenehm, wenn es sich dabei um ein Frauenleiden handelt. Und was macht man so ganz zeitgemäß? Statt den Arzt zu fragen, geht man lieber ins Internet. Rund um die Uhr zur Verfügung und nicht ganz so peinlich.  Die Frauenforen sind voll mit Beiträgen zu diesem Thema. PC angestellt und losgesurft.

 

"Mumu ertasten, was ist denn das?"

 

"Ich möchte schwanger werden, könnte mir jemand sagen, wie ich meine Mumu für den Eisprung ertasten kann", war eine der ersten Fragen, die ich las. Ich glotzte blöd den Computer an. Mumu ertasten, was ist denn das? Hätte sie ihre Miau ertasten wollen, hätte ich zumindest eine verschwommene Ahnung gehabt. Ich versuchte es mit einer freien Assoziation. Mumu erinnert mich an... eine Kuh. Euter? Brüste?  Ich dachte scharf nach. Wie war das noch einmal mit dem schwanger werden? Brüste waren auf jeden Fall von Vorteil, mussten aber nicht unbedingt von der Frau selbst dazu bearbeitet werden. Den Eisprung beeinflussten sie sowieso nicht. Es muss also etwas anderes sein. Irgendwann dämmerte es mir. War vielleicht der Muttermund gemeint? Ist das Ertasten nicht ein wenig...schwierig? Wer hat schon so verrenkbare Arme?


Eine andere Dame im Forum ließ ihren Muttermund vereisen. Es gibt Dinge, die möchte man nicht wirklich von seinen Mitmenschen wissen. Die nächste hatte Probleme mit Kloagel. Selbst Wikipedia weiß nicht, was das sein soll. Dazu kamen noch die Antworten. So wurde sehr ausführlich diskutiert, wie man einen Vaginalpilz mit Zitronensaft mariniert. Ob man dem Pilz damit das Leben auf dem eigenen Körper versauern möchte oder schmackhafter gestalten, war leider nicht zu erfahren.

 

Manchmal ist es besser, jemanden zu fragen, der sich wirklich auskennt

 

 

Es dauerte nicht lange, und ich wurde immer verstörter. Schnell entschied ich mich, doch lieber jemanden zu fragen, der sich wirklich damit auskennt. Tatsächlich löste mein Frauenarzt mein Problemchen innerhalb von fünf Minuten, und ich kann weiter in wunderbarer Ignoranz leben.

 

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Anita Römgens ist ein lebenslustiges Landei vom linken Niederrhein, das gerne schreibt und viel reist. Der Hauptjob als Betriebswirtin zahlt die Miete, ist aber nicht wirklich spannend.

 

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