Cool Tour

Das Leben ist anderswo und doch so nah

Ein Heimatfilm

Von: Carsten Friedrich

vom 14.05.07

Applaus im Kino gibt es denkbar selten. Aber dieser Film hat es eindeutig verdient. Zeigt er doch schonungslos das Dorfleben in der deutschen Provinz. Den ganz normalen Wahnsinn, den Horror des Alltags und die liebevollen Protagonisten. Man spielt sich selbst, denn - genau - es ist ein Dokumentarfilm.

Die Story von "Full Metal Village" ist schnell erzählt: Jeden Sommer findet in Wacken, Schleswig Holstein, das "Wacken Open Air" statt. Drei Tage "Metal", Tausende dunkle Gestalten und Müll. Dazu eine Dorfgemeinschaft, die zusammenhält, die Ordner stellt und gemeinsam die Festival-Wiesen aufräumt. Diese drei Tage bilden aber nur der Rahmen für den Film. Eine Handvoll Einwohner werden vorgestellt und begleitet in ihrem Alltag. In zum Teil ernsten Interviews plaudern sie über Ihr Leben, ihre Beziehungen und die Arbeit.

Wenn der Großgrundbesitzer, der Patriarch alter Schule, meint eine Freundin neben der Ehefrau haben zu dürfen oder seine eigene Ehefrau stolz darauf ist, schneller essen gelernt zu haben, weil er doch sein Essen so schnell herunter schlingt, dann ist das keineswegs frauenfeindlich, sondern bittere Realität. Lustig zwar, dennoch bitter.

Wenn die 16-jährige Göre meint, sie wolle unbedingt in der Zeit des Dritten Reichs gelebt haben, weil das ja so wahnsinnig spannend ist und sie alles darüber gelesen hat, dann schluckt man kurz und weiß trotzdem nicht, was man denn denken soll.

Wenn der ältere Bauer seine Zigarette im Kuhstall genießt, über seine Ehe philosophiert und zum Schluß kommt, dass Füreinander da sein und Zusammenhalten der Sinn des Zusammenlebens ist, dann lächelt man selig und weiß, er hat wohl recht.

Wenn der Vokuhila-Typ an seinem Moped schraubt und verbittert darüber ist, dass er damals bei der Festival-Organisation ausgestiegen ist, weil es ein zu großes finanzielles Risiko für seine Familie war, dann fühlt man mit ihm und versteht ihn. Sobald Kinder im Spiel sind, hört es auf, ein Spiel zu sein.

Die koreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho versteht es, mit einfühlsamen und ruhigen Bildern dieses Lebengefühl einzufangen, ohne zu kommentieren. Manchmal steht sie da und lässt sich diese völlig andere Welt erklären. Eine Welt, die gar nicht so fern ist, sondern gleich vor unserer Haustür beginnt.