Babe der Woche

Das perfekte Püppchen

„Miss Bimbo“ ist ein Online-Game für Mädchen – mit haarsträubenden Botschaften. Teenager im Alter von 9 bis 16 Jahren werden ermutigt, solange an einer virtuellen Puppe zu basteln, bis diese alles hat, was in „Bimbo Town“ wirklich zählt: Das sind große Kurven, wenig IQ und der Stringtanga über dem Hintern.

Im Grunde dreht sich alles um den Mann, der die Kohle hat. Um sich den zu angeln, muss eine „Miss Bimbo“ in dem gleichnamigen Internetspiel, das der Franzose Nicholas Jacquart entwickelte, tüchtig investieren – und nicht nur in trendige Klamotten und den „Beauty-Spezialisten“, der das perfekte Make-up besorgt. Nein, auch Brustvergrößerungen, Face-Lifts und Diätpillen (als die „leichtere Art zu essen“) sind Mittel, auf die Nutzerinnen hier zurückgreifen können. Oder besser gesagt: sollten. Denn wer vor solchen Mitteln zurückschreckt, darf sich über die Folgen nicht wundern.

Etwa über eine mahnende Lücke, die im Profil einer „Miss Bimbo“ genau da klafft, wo eigentlich der Freund präsentiert werden müsste – und nicht fehlen darf? Solosein, die reinste Schande? In der virtuellen Welt dieses Online-Games gibt es viele gute Gründe, die Suche nach dem Mann fürs Leben nicht zu vernachlässigen und den Körper als Köder auszuwerfen. Schließlich kommt man mit 1000 Bimbo-Dollar und einem IQ von 70 als Startkapital für jede Spielfigur nicht weit. Und ein Besuch im Job-Center von Bimbo-Town reicht aus, um festzustellen, worauf man im Zweifelsfall setzen sollte: Auf die Stelle als Bäckerin, die bei einem IQ von 70 gerade noch winkt, jedenfalls nicht – denn das Gehalt ist zu mickrig, die Ausbildung zu teuer und das Geld wird ja auch anderswo gebraucht und ist vermeintlich anderswo auch soviel besser angelegt.

Zum Beispiel im Nachtclub, der mit heiterem Spiel lockt: „Miss Bimbo“ sieht sich hier vor die Aufgabe gestellt, möglichst viele Männer rund um den Tresen der Bar in kürzestem Zeitraum abzuknutschen. „Bimbo“ bedeutet übrigens in der englischen Umgangssprache soviel wie „Tussi“. Es überrascht also nicht, dass zu den Dingen, die Punkte bringen, wenn es um die Frage geht, wer denn nun die „Schönste, Coolste und Reichste“ in ganz Bimbo-Land sei, auch diese Aufgabe zählt: Aufräumen von Handtaschen (in kreischrosa).

Immerhin: Elternverbände und Gesundheitsexperten haben bereits gegen dieses Onlinespiel, das ein so übles Rollenschema bedient, protestiert. Und selbstverständlich nicht nur, weil hier der Emanzipationskiller zum Shooting-Star gemacht wird: „Miss Bimbo“ sende gefährliche Signale aus, so heißt es. Und gerade die anvisierte Zielgruppe, Mädchen im Teenageralter, sei noch leicht zu beeinflussen und sehr empfänglich für die fatalen Botschaften, die der Schönheits- und Magerwahn unserer Tage vermittle.

Die Betreiber des Spiels aber wollen davon nichts wissen. Stattdessen prahlen sie mit der Angabe von rund 250. 000 registrierten Userinnen allein in Großbritannien, in Frankreich sollen es bereits über eine Million sein. Für Nicholas Jacquart, dem Erfinder der „Miss Bimbo“-Welt, sicherlich ein lukratives Geschäft: Denn sobald an Bimbo-Dollarn beim Spielen alles verheizt ist, kann Spielgeld per SMS nachgekauft werden – zu Real-Life-Knete, versteht sich.