Wissenswertes

Date with the Chef

Über „Sprachschlampen“ kann man sich streiten. Und das soll auch so sein. Der korrekte Ausdruck ist eine Angelegenheit für den Duden. Was Sprache sonst noch so treibt dagegen ein Fall, der Frank Stückradt beschäftigt. Wobei der Autor dafür plädiert, sich nicht so leicht von den attraktiven Ungereimtheiten, die uns im Alltag begegnen, den Kopf verdrehen zu lassen - ebensowenig wie von dem engen Korsett des deutschen Wörterbuchs.

Die Sprachschlampe, um die es an dieser Stelle geht, kommt zunächst ganz harmlos daher. Erst beim zweiten Hinschauen offenbart sie ihre volle Unzüchtigkeit.

Es geht um Termine, meist um private oder zumindest inhaltlich weniger geschäftliche.
Neuerdings hört man immer öfter Fragen wie „Haben wir schon das nächste Lunch-Date vereinbart?“.

Damit ist die Frage gemeint, ob man sich schon zum nächsten gemeinsamen Mittagessen verabredet habe.

Das Essen in Kantinen als „lunch“ zu bezeichnen, ist eine Sache. Ich persönlich verbinde mit den anglizistischen Bezeichnungen der Tagesmahlzeiten („breakfast“, „brunch“, lunch“ und „dinner“) ein stilvolleres Ambiente und etwas mehr Aufwand als in für normal Sterbliche zugänglichen Kantinen üblicherweise geboten wird. Aber das ist Geschmackssache.

Mir geht es hier eher um den immer häufiger verwendeten Begriff „date“.
Wenn Sie sich mit einem englischen Muttersprachler zu einem „date“ verabreden, so spielt das Essen meist nur eine sittliche Nebenrolle. Und sie sollten sich auch nicht ernsthaft vornehmen, berufliche Themen zu erörtern, zumindest nicht, solange Sie in Erwägung ziehen, Ihre Karriere auf rein fachliche Qualifikation zu gründen.
Kurz gesagt, geht es beim „date“ vornehmlich um die Prüfung und Wahl des vorübergehenden oder dauerhaften Sexual- und Lebenspartners. Sozusagen um ein Rendezvous, ein Tête-à-Tête, um andere Lehnwörter zu verwenden - kennt eigentlich jemand ein schöneres eindeutiges deutsches Wort als „Stelldichein“ dafür?

Also Vorsicht! Bevor Sie das nächste „date“ zusagen (oder einfordern), klären Sie mit sich und Ihrem Gegenüber sorgfältig ab, welche Ansprüche und Erwartungen Sie an das Treffen haben! „Aber ich meinte doch nur einen einfachen Termin!“, mögen verunsicherte Leserinnen und Leser an dieser Stelle einwenden.

Und alles, was mir zu sagen bleibt, ist, dass Sie die kleine Engländerin „date“ etwas genauer anschauen sollten, bevor Sie diese mit nach Hause nehmen. Der Engländer unterscheidet sprachlich nämlich sehr sorgfältig, um welche Art von Termin es sich handelt: Es gibt beispielsweise „appointments“, „deadlines“, „due dates“ und eben „dates“.

Letztere mit Verheirateten zu vereinbaren, hat eindeutig eine sehr anrüchige Komponente, umso mehr, wenn Sie auch noch vom gleichen Geschlecht wie Ihr gewünschter Gesprächspartner sind.

Böse Falle!

Dergleichen vermeintlich kurze Sprachirrtümer gibt es in diesem Zusammenhang gleich mehrere: Die meisten würden den entgeisterten Blick der Assistentin nicht recht verstehen, wenn sie im Büro
(sagen Sie nicht „bureau“!) nach einem „date with the chef“ verlangten und gar noch ihre „handy number“ hinterließen!
Zwar mag es mitunter auch seinen Reiz haben, für die Planung eines Stelldicheins mit dem Koch eine praktische Telefonnummer zu hinterlassen. In den meisten Fällen wird diese Botschaft jedoch nicht erwünscht sein.

 

Also: Verabreden Sie normalerweise Termine und Besprechungen, ruhig auch Geschäftsessen.

So wird das dann auch etwas mit Ihrem „date“ - wenn Sie wirklich mal eines haben.

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Frank Stückradt, Jahrgang 1969, arbeitet und lebt in Frankfurt am Main. Nicht als Schriftsteller, sondern im Rechnungswesen einer der zahlreichen Banken. Mit klassischer Buchhaltung hat er dennoch nicht viel zu tun. Und wo im Schrifttum in und um eine Bank Kreativität in der Sprache nicht erwünscht ist, sucht der Autor immer wieder nach Ausgleich – etwa auch mit der eigenen Website „Sprachschlampen.de“, auf der es um die sprachlichen Ungereimtheiten unseres Alltags geht.

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