Cool Tour

DDR-Punks und eine Auschwitz-Geschichte

Zwei Filme über Vergangenheit, die in diesem Land nicht Vergangenheit sein kann

 


"ostPUNK!/too much future" und "Am Ende kommen Touristen" sind zwei deutsche Filme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotzdem ähneln sie sich, indem sie sich mit Vergangenheit beschäftigen. Vergangenheit - wie sie wahrscheinlich nur in diesem Land eben nicht Vergangenheit sein kann.

 
Der eine berichtet unaufgeregt und differenziert über das Leben in Oświecim, besser bekannt als Auschwitz. Mit jungen und engagierten Schauspielern wird versucht, ein Stück Normalität darzustellen. Der Zivildienstleistende Sven soll sich um den kauzigen KZ-Überlebenden Krzeminski kümmern und verliebt sich in die polnische Übersetzerin Ania. Das Ganze will ein Film sein über "Fettnäpfchen, Vorurteile, Tabus und Gedenkstätten-Tourismus", so der im offiziellen Kurzinhalt formulierte Anspruch. Doch der Film scheitert genau wie seine Protagonisten und heraus gekommen ist ein netter Spielfilm mit kulturellem Anspruch plus zarter Lovestory. Mehr auch nicht.

 

Im übrigen ist das dämliche Lächeln der Hauptdarstellerin (Barbara Wysocka) schon nach zehn Minuten nur noch nervig. Frauen sind auch ohne Honigkuchen-Lächeln süss und interessant. Nun könnten wir uns ewig streiten, ob ein so ernstes Thema überhaupt federleicht und unbeschwert erzählt werden darf. Roberto Benigni ist es damals mit dem Holocaust-Drama "Das Leben ist schön" (1997) gelungen. Regisseur Thalheim, obwohl er auf eigene und hautnahe Erfahrungen zurück greift, scheitert auf hohem Niveau.

 

Der andere Film erzählt von Punkrockern in der DDR. Das ist das Land, das so spießig war, dass selbst Honecker vor lauter Langeweile am Ende einfach gestorben ist. Ein paar Punks gab es aber dennoch und in dem Film kommen sie noch einmal zu Wort, Guido-Knopp-mäßig werden sie interviewt, erzählen mit glasigen Augen von früher und von ihrem Leben. Das klingt spannend, ist es aber leider nicht. Denn obwohl Punk zu sein in der DDR das wahrscheinlich Aufregendste war, sind die Geschichten dann doch eher ernüchternd. Aber die Bilder! Der Schnitt! Ein Traum. Echt jetzt mal. Viel besser als bei der unvergleichlich aufwendigeren Strummer-Doku letztens ("The Future Is Unwritten"). Aber dafür ins Kino? Nein, das kann ich wirklich nicht empfehlen. Bei beiden Filmen nicht.

 

 

 

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OstPunk! / Too Much Future (2006)
Regie: Michael Boehlke, Carsten Fiebeler
http://www.toomuchfuture.de
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Am Ende kommen Touristen (2007)
Regie: Robert Thalheim
http://www.amendekommentouristen.de

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Mehr von Carsten Friedrich alias "Pixelroiber" hier in seinem Weblog.

 

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