Anderswo

Der Job mit den vielen Geschlechterklischees

Sie arbeiten für Frauenmagazine und haben es in diesem Job nicht immer leicht – so als Männer. Pilates und Privates? Themen, die eher "sie" als "ihn" interessieren!?

Autos testen – das kann Spaß machen. Offenbar erst recht für ein Frauenmagazin. Oder nur für ein solches? Kuno Nensel hat fünf Jahre für die „Elle“ unter anderem über Mobilwelten geschrieben und sich unter „Autojournalisten“ wie ein „Exot“ gefühlt. Denn wo die Kollegen an Motoren und Verdichtungs- verhältnissen dran waren, ging es Kuno Nensel um anderes. Um „Lifestyle“ eben. Weil Frauen zu ihrem Gefährt nur über Fragen des Lifestyles finden? Wie auch immer: Das Thema rund um den Hubraum sei – in dieser Weise verarbeitet – weitaus weniger „grottenöde“ als sonst, befand Kuno Nensel.

 

Über ihn und andere Männer, die für Frauenmagazine arbeiten, ist im „Tagesspiegel“ ein Artikel erschienen, der das Rollendenken aufwirbeln soll. Denn ihr Job sei klischeebehaftet – so gaben die Befragten zu Protokoll. Am Klischee bleibt dann aber doch leider vieles kleben, was hier gesagt wird: Man sei nicht schwul – das wollten die Männer vorneweg geklärt haben. Pilates und Privates sei nicht so ihr Ding. Mit Frauen arbeiten sei dagegen schön, weil Frauen sind ja – bekanntlich – „schön hysterisch und durchgeknallt, lebendig eben.“ Nur manchmal leider etwas zu kompromisslos? Einmal habe einer der Männer in einem Text Tönen und Färben verwechselt: „Da war was los.“

 

Dennoch ist Yoko Rückerls Text lesenswert. Vermutlich ist es ohnehin schwer, über einen „Betrieb“ zu sprechen, der die Produktion von Geschlechterklischees zum Tagesgeschäft hat – ohne diese dann auch zu bedienen. Oder ist der Betrieb gar nicht mehr so? Und das Marktsegment Frauenmagazine schwer unterschätzt, wie der Artikel an einer Stelle nahe legt:

 

„Diese Zeitschriften werden nicht so ernst genommen, wie sie sollten“, sagt Praschl, „das hat mich bockig gemacht.“ Nach „Wiener“ und „Stern“ wechselte Praschl zur „Amica“. Da habe es Reportagen gegeben, die so auch im „Spiegel“, „Stern“ oder der „Zeit“ hätten stehen können. Die Lächler sitzen am ehesten in Zeitungsredaktionen. „Die Grenze verläuft zwischen Magazin und Zeitung“, sagt Bernd Herbon, heute Textchef von „Amica“ und früher Feuilletonmitarbeiter.

 

Klingt gut – und stimmt gar nicht? Mindestens so lesenwert wie der Artikel im „Tagesspiegel“ ist nämlich ein anderer Beitrag, der vor zwei Jahren in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu lesen war. Die Autorin Jana Hensel, bekannt durch ihren Bestseller „Wir Zonenkinder“, rechnete hier mit einer Frauenmagazin- Landschaft ab, die sie für das Scheitern der Emanzipation mit in die Verantwortung nehmen wollte. Wellness und Yoga, Kind und Küche – das sei das Programm, für das dort geworben werde. Eine Welt, so wunderbar weiblich – und letztlich nur um die Hormone des Mannes kreisend? Jana Hensel forscht in den Schlagzeilen, die da lauten:

 

 „»Projekt große Liebe! – Raus aus den alten Mustern! Neue Strategien, um jetzt wirklich den Richtigen zu finden«. Das ist nur eine von ziemlich wahllos zusammengesuchten Headlines der Woman, Cosmopolitan, Elle, Glamour, Brigitte, Brigitte Kultur und Young Miss (sieben von 85 deutschen Frauentiteln) aus dem letzten Monat: »Test: Wie lange bin ich noch Single?«, »35 heiße Tipps für sexy Nägel«, »Dein Horoskop für 2005. Liebe, Glück, Erfolg: Was die Sterne verraten«, »Schlupflider & Co. Die zehn schnellsten Schminktricks bei kleinen Schönheitsfehlern«, »Test: Wie viel Sexbombe steckt in Ihnen?«, »Das Geheimnis der Schönheit. Ein Gespräch mit Fritzi Haberlandt«, »Die neue Job-Diät: Wenig Zeit? Immer am Schreibtisch? So nehmen Sie trotzdem ab«, »SEX. Das macht ihn an: a) wenn Sie ihm vertrauen, b) wenn er nicht nachdenken muss, c) wenn er kuscheln darf (später)« “.

 

Falls Sie davon genug haben, können Sie hier lesen, was Jana Hensel zu diesem Angebot zu sagen hat, oder Sie wechseln  hier zu Yoko Rückerls Artikel im „Tagesspiegel“. Oder: Stöbern Sie doch einfach bei Miss Tilly nach Alternativen!? 

 

 

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