War was?

Der Vater der Retortenbabies

Der Nobelpreis für Medizin in der Kritik

Die katholische Kirche ist außer sich. Die Nobelpreisvergabe an Richard Edwards für die Entwicklung der Befruchtung im Reagenzglas verurteilt sie scharf: Sie sieht darin eine falsche "Heiligsprechung" eines Verfahrens, das vor allem eines bewirke: "die Vermarktung von Eizellen und die große Zahl von gekühlten Embryonen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum Sterben verurteilt seien".

 

Geschäfte mit dem Kinderwunsch


Doch Edwards war und ist Wissenschaftler durch und durch. Er sah sich nicht als Moralapostel, sondern als  Forscher jenseits aller Dogmen, der fieberhaft nach einer Lösung suchte. Ethische Einwände zählten für ihn nicht. Inzwischen ist die künstliche Befruchtung ein Geschäft, zur "Kinderwunsch-Industrie", geworden. Ein Artikel darüber erscheint bezeichnenderweise im "Wirtschaftsteil" der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Für die "andere Seite" hingegen, die Eltern in spe, ist es alles andere als ein kühles Geschäft.

Was auch immer das Preiskomitee in Stockholm dazu bewogen hat, ganze 30 Jahre später erst den Reproduktionsmediziner für die Entwicklung des Verfahrens auszuzeichnen - erstaunlich ist das Ausmaß der Debatte, die dadurch ausgelöst wurde. Überraschen vermag diese Debatte vor allem, wenn man bedenkt, dass mittlerweile bereits 4 Millionen Kinder auf diese Weise gezeugt wurden. Die künstliche Befruchtung ist nicht unumstritten, dennoch mittlerweile gängige Praxis, unfreiwillig kinderlosen Paare zu helfen. Und die große Nachfrage wird, so ist zu erwarten, noch größer werden - aufgrund der steigenden Tendenz der Frauen, heute erst in späterem Alter Kinder zu wollen.


Designerbabies

 

Bisher entzündete sich die Aufregung um die künstliche Befruchtung vor allem an den ethischen Fragen selektiver Embryonenwahl - doch eine solche Selektion ist bei uns aufgrund des Embryonenschutzgesetzes in Deutschland aus gutem Grunde nicht erlaubt. Zudem legte die In-Vitro-Fertilisation den Grundstein für die heute gängige Präimplantationsdiagnostik, und mit ihr wird nun ein Trend zu Designerbabies befürchtet - genau das wird von vielen abgelehnt. Doch mit Edwards, dem "Mr. Retortenbaby", hat die Aufregung nicht mehr viel zu tun. Er hat vielen hoffnungslosen Paare Segen gebracht. Der Gesellschaft den verantwortlichen Umgang mit den ethischen und moralischen Implikationen seiner Methode beizubringen, ist nicht seine Aufgabe. Da müssen wir uns schon selbst bemühen.