Women only

Diät? – Nein, danke!

Ohne mich, Leute. Sollen sich doch andere kasteien und dem Diät-Wahn hingeben. 20 Meter Regallänge mit Büchern übers Abnehmen hat mein Lieblingsbuchladen. Von allen Titelblättern am Zeitschriftenkiosk schreit es „Diät, Diät, Diät.“

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 20.07.06

Nein, mir reicht’s. Ich habe beschlossen, nicht mehr über meine Figur zu reden. Mein Gewicht geht niemanden etwas an. Gegen Bemerkungen „ach, du hast aber abgenommen“ bin ich immun. Ich ignoriere sie, gerade wenn sie von der lieben, guten Freundin kommen. Frei übersetzt heißt es nämlich eigentlich nichts anderes als: „Du hattest in letzter Zeit ein wenig zuviel auf den Hüften, meine Liebe“.

 

Wir mausern uns noch zur Low-Fat-Nation. Ist aber auch wirklich typisch: Wenn wir Deutschen etwas machen, dann gründlich. Können das Rezept der Wunder-Kohlsuppe im Schlaf runterbeten. Tragen den Kalorienkalkulator stets in der Tasche. Und verbannen Pasta, Kartoffeln und Brot neuerdings aus unserer Küche – Atkins sei Dank werden Kohlehydrate heute schlechter behandelt als Al-Quaida-Terroristen. Jedem neuesten Ernährungstrend wird hinterher gejagt – und alles im Dienste der  Figur.

 

Die Obsession der Leute mit  den eigenen Speckröllchen und jenen ihrer Mitmenschen nervt. Zeigt sie doch nur mal wieder, dass uns die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt. Ich habe aber keine Lust, auf mein Äußeres reduziert zu werden. Und schön und perfekt will ich schon gar nicht sein – zumindest nicht, wenn es mit Mühen verbunden ist.

 

Dem Ideal einer Bohnenstange kann ich ohnehin nichts abgewinnen. Lieber knackige Kurven und etwas „Arsch in der Hose“. All den Karotten knabbernden und Kalorien zählenden Leuten möchte ich zurufen: Lasst euch nicht die Lust am Genuss und die Butter vom Brot nehmen.  Zuviel Verzicht ist ungesund. Slim-Fast-Harry endete im Dschungelcamp. Das zeigt doch schon, wie gefährlich Diätbesessenheit sein kann.

 

Außerdem: Rundungen zeigen mir, dass da ein kleiner Hedonist vor mir steht. Ein Mensch mit Schwächen. Und ein solcher ist mir wesentlich sympathischer als ein gestählter und asketischer  Mensch, der früh morgens um 6 Uhr bereits im Joggingdress seine Kilometer abspult, unzählige Stunden mit Fitnessprogrammen verbringt und nichts über die überirdischen Genüsse von Panacotta und Sahnesoße weiß. Pralles Leben lässt grüßen. Mein Bauch gehört mir.

 

Den ersten Schritt habe ich schon gemacht. Ich habe meine Körperfettwaage versteigert: Eins, zwei, drei …deins. Sollen sich doch andere mit Body-Mass-Index und Glyx-Werten ihre Zeit totschlagen. Ich habe besseres zu tun und werde jetzt Frieden mit meinem Körper schließen. Kann so verkehrt nicht sein. Männer bekommen doch selbst heute noch leuchtende Augen und feuchte Hände, wenn sie an Marilyn Monroe denken. Ich werde mir ein Foto von ihr an meinen Spiegel kleben und eins der T-Shirts kaufen mit der Aufschrift „Füttert Kate Moss“.

 

Was, wenn ich einen Rückfall habe? Dann kommt garantiert nur eine einzige Diät in Frage, und zwar die „Luxus-Diät“. Nie gehört? Gibt’s wirklich. Erlaubt sind Champagner, Sushi und Kaviar bis zum Abwinken. Der sprichwörtliche Genuss ohne Reue. Und wenn es nicht fruchtet, habe ich wenigstens Leckeres gegessen und Edles getrunken. Nur den Kreditsachbearbeiter meiner Bank wird garantiert der Schlag treffen. Prösterchen!