War was?

Die Frauen von NRW

Kraft mit Frauenpower und einer Emanzipationsministerin

Hannelore Kraft hat's geschafft. Ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen - ein Land das für Kohle und Stahl, für Malocher und "ganze" Männer stand und bisher ein Land war, "in dem sich eher Machtmänner tummelten" - sind nun mehr Frauen im Kabinett als sonstwo. Paritätisch auf Männlein und Weiblein verteilt. Was irgendwann einmal Normalität sein (wird) sollte, wird momentan noch besonders kritisch beäugt - und in den Erwartungen und Anforderungen sogleich überfrachtet: Die Frage ist nur, wieso? Muss ein Quotenkabinett mit einer Frauendoppelspitze mehr leisten als ein männerdominiertes? Nein, denn: "Frauen sind nicht die besseren Männer. Sie müssen es auch nicht sein."

 

Das Kabinett von Hannelore Kraft und wer ist Barbara Steffens

Nörgeln kann man immer. Beispielsweise dass die einflussreichen Ministerposten (Wirtschaft, Finanzen, Inneres) "natürlich" von Männern besetzt wurden. Dass es sich um ein Provinzkabinett handele. Das "Kabinett Kraft" kommt ohne große Namen aus Berlin daher, kaum jemand ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt - weswegen es auch als als Kabinett dritter Wahl verspottet wird. Warten wir doch erstmal ab. Dem nicht genug, dann auch noch eine "Ministerin für Emanzipation". Weshalb sogleich die Bild-Zeitung tönte: "Frau Steffens, braucht man das"?

 
Ja, Barbara Steffens sieht ihre neue Aufgabe als notwendig, da ein "antifeministisches Rollback" zu spüren sei. Und weil in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik die Frauenförderung keine Rolle mehr gespielt habe. Das will sie ändern. Auch für die Aufwertung der Frauenhäuser will sie sich einsetzen und sich für einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus stark machen. (Zu ihren Plänen stand sie ausführlich der "Emma" Rede und Antwort.) Dass ihr Ressort vom Familienministerium (Ute Schäfer) getrennt ist, mag viele verwundern, doch war für Steffens längst überfällig: "Die Unterordnung der Frauenpolitik unter die Familienpolitik finde ich falsch."

 

Weiblichere Politik

 

Ministerinnen und Frauenthemen wohin man schaut: Ob man denn nun einen "weiblichere" Politik in NRW erwarten könne, wurde Sylvia Löhrmann, die stellvertretende Ministerpräsidentin neben Hannelore Kraft und gleichzeitig Bildungsministerin ist, gefragt: "Wir machen gute Politik, die manche Allüren und Hahnenkämpfe nicht nötig hat. Hannelore Kraft und ich pflegen einen unkomplizierten, schnörkellosen und an der Sache orientierten Regierungsstil. Ich hoffe, dass unser Stil Schule macht." Das hoffen wohl viele - und nicht nur Frauen.

 

Über all das darf weder die problematische Regierungsbildung noch die Tatsache, dass es sich um eine Minderheitsregierung handelt, vergessen werden. Doch die politische Landschaft hat sich verändert. Weshalb manche hierin eine Chance sehen, und zwar einen "Testlauf für den Bund, in dem erprobt wird, wie Politik in einem Fünf-Parteien-System gelingen oder scheitern kann."