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Die nackte Elite

Sex, Liebe und Moral im Leben der Manager

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Hier reden sie selbst. Der Investmentbanker, der Immobilien-Manager, der Wirtschaftsanwalt und der Gewerkschaftler mit einer Vorliebe für rumänische Lustknaben.  Kommentiert werden ihre sehr offenherzigen Aussagen vom Chef des Wiener Edelbordells Babylon, von einer Sexualtherapeutin und Psychoanalytikerin, einer Klatschkolumnistin, einem Hormonspezialisten. Sogar ein prominenter Geistlicher darf mitreden. Zusammengestellt hat dieses spannende, teilweise sehr komische (zumindest aus der Sicht einer Frau) und auf jeden Fall entlarvende Buch die Journalistin Silvia Jelincic, und damit ist ihr etwas gelungen, was sich besser liest als jeder Enthüllungsroman.


„Die nackte Elite“ liefert nackte Tatsachen. Über das Verhalten all jener, die ihr Geld nicht nur in Aktien oder neue Fabrikanlagen investieren, sondern auch in Sex. Um Stress abzubauen, um die eigene Macht auch außerhalb der Geschäfte zu spüren, um dem Abend mit Freunden eine besondere Note zu geben, denn bei Männern verbindet sich auch das sonst so individuelle und hinter verschlossenen Türen betriebene Spiel mit dem Sex mit dem kindlichen Motto: Schaut alle mal her. Sind wir nicht großartige Kerle?

Sind sie, zumindest in ihren eigenen Augen. Deshalb bleibt nach der Lektüre der Interviews nur eine unbeantwortete Frage:

Merken die Ehefrauen wirklich nichts? Das ist kaum anzunehmen. Und wenn sie es tun – warum lassen sie sich das gefallen? Um ihre Teilhabe an der männlichen Macht, am ehelichen Wohlleben nicht zu gefährden? Begreifen immer mehr Frauen, dass lebenslange Treue unmöglich ist, wenn das Leben so viele Jahrzehnte dauert wie heute? Oder, eine dritte Möglichkeit, sind sie so selbstständig geworden, dass sie sich ihre sexuelle Erfüllung ebenfalls außerhalb des Ehebettes suchen?

Vielleicht ist das ja das nächste Thema von Silvia Jelincic. Lohnen würde es sich. Bis sie genügend aussagewillige Frauen gefunden hat, können wir uns allerdings über die Männer amüsieren. Über ihren so sehr von der sexuellen Potenz bestimmten Stolz, ihre Lügen, ihre Angeberei. Und sie bemitleiden, denn durch viele der hier vorgestellten Interviews schimmert auch ihre Traurigkeit hindurch, ihre Angst vor dem Versagen, im Bett wie im Beruf, und vor persönlichen Kontakten, die mehr erfordern als das notwendige Geld zur Bezahlung einer Hure oder eines Strichjungen.

Alles arme Schweine, die Männer? Oder doch beneidenswert, weil ihnen so viel mehr Möglichkeiten zum schnellen Sex geboten werden als Frauen? Weil „man“ es tun darf und diese Art von Lust „frau“ immer noch übel genommen wird? Egal. Auf jeden Fall liefert „Die nackte Elite“ der Manager höchst interessante Streiflichter  des männlichen Intimlebens. Harte Information. Ob man als Leserin über die „Kerle“ lacht oder sie zum Schluss doch bedauert, ist nicht wichtig. Spaß am Lesen garantiert das Buch auf jeden Fall.