Babe der Woche

Die perfekte Masche

Sie nennen sich „Pick-up“-Artists und glauben, dass man jede Frau rumkriegen kann. Mit Tricks und Techniken, wie sie etwa auch die „Academy of Social Arts“ bis vor kurzem noch lehrte: ein Männerclub, der Steinzeit spielte. Du Axt, ich Beute?

Auf Konferenzen und in Internetforen tauschen sie sich aus: Männer, die das Gefühl haben, nicht den richtigen Dreh zu finden, wie man Frauen anspricht. Wie man sie für sich gewinnt, „antörnt“. Abschleppt. Und den ganzen Rest natürlich auch. 

Die so genannte „Academy of Social Arts“ versprach, hier mit Kompetenz beiseite zu stehen. Selbst schüchterne Typen wären in der Lage, zum Casanova zu mutieren – und alles nur eine Frage des richtigen „Pick ups“ der Beute: „Lerne die Kunst der natürlichen und eleganten Verführung und erobere deine Traumfrauen mit System. (...) Erlebe deinen Erfolg jetzt hautnah!“ so hieß es kürzlich noch auf der Internetseite der Anmachexperten. Dort waren übrigens auch die Kurse und Workshops zu finden, die Männer an ihr Ziel bringen sollten: „Werde ein Mann, der Frauen ganz selbstverständlich an- und auszieht“, lautete die Botschaft.  

Das aber war einmal. Denn ach, nun gedenkt das selbst ernannte „Institut“ seine Pforten zu schließen. Im Grunde vielleicht auch vernünftig so. Schließlich muss man nicht fürchten, dass die Kunst, auf ultracoole „dicke Hose“ zu machen, damit am Ende sei. 

„Pick Up“ als Lebensstil, der „männliche Energien“ entfesseln soll, wird heute schließlich weltweit mit Überzeugung auch anderswo zelebriert. Der Journalist Neil Strauss hat die Szene in seinem Buch „The Game“ beschrieben und ihr zugleich auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen eine Bibel geschaffen (wenn auch eine mit Glaubenssätzen, die nicht ganz ungebrochen daherkommen). Unter dem Titel „Die perfekte Masche“ erschien das Buch 2006 übrigens auch auf Deutsch –, um Bewunderer zu Genüge auch hierzulande zu finden. 

Um was es geht? Eine Kostprobe, wenn auch fiktive, kann der Film „Magnolia“ (1999) von Paul Thomas Anderson geben: Sie erinnern sich noch? Tom Cruise verkörpert darin einen „Pick Up“-Artist, der seiner Fangemeinde predigt, wie schön die Welt doch wäre – würde Testosteron allein sie regieren. Zu schräg, um Wirklichkeit zu sein? Dann lesen sie doch mal, was der Journalist Bernd Kramer unlängst erlebte, als er eine Konferenz der „Academy of Social Arts“ in Aachen besuchte. Seine Erlebnisse, nicht minder schräg als die Fiktion, schilderte er in einem Artikel in der „taz“, den Sie hier finden können.

 

Wie man ein „HB“ (Hot Babe) ohne lange Umwege zum „Lay“ (Beischlaf) kriegt, durfte sich der taz-Journalist mit 300 weiteren Männern anhören. „Wenn die Frau Probleme bei der Eskalation zeigt, hört ihr einfach mit dem Küssen auf,“ lauten die simpleren Botschaften. Oder: „Um Ziele zu erreichen, braucht ihr aber positive männliche Aggression.“

 

Kein Zweifel. Dafür bekommt die „Academy of Social Arts“ doch glatt ein „Babe der Woche“ noch krönend hinterher geworfen. Adieu!