Weibchenschema

Die Schlacht um die heilige Kuh

Pünktlich zum internationalen Frauentag bekriegen sich die Mütter. Wer leistet die richtige Kinderbetreuung? streitet die ganze Republik seit Ursula von der Leyens Krippenpläne.

Von: Bärbel Kerber, Fotos: stock.xchng

vom 08.03.07

Wer ist der bessere Mensch – die Frau, die zu Hause entspannt nach dem Rechten sieht und ihre Kinder selbst betreut bis diese mit 3 Jahren das Kindergartenalter erreicht haben? Oder die Mutter, die wohlgelaunt den Nachwuchs bereits im Krabbelalter in die Krippe gibt, um dann ihrer Arbeit nachzugehen? Ohne Frage zieht da die letztere die Rabenmutterkarte. Und schiebt dann der Vollzeitmutti den Glucken-Buhmann zu.


Es gehe hier gar nicht um die Frauen, denn die Entwicklung des Kindes stehe auf dem Spiel, mahnen die einen. Liest man all die Studien pro und contra frühe Krippenbetreuung, wird man allerdings auch nicht schlauer. Für jede Meinung gibt es die passende Studie: Die einen resümieren, Kinder in Krippen könnten besser sprechen, wären sozial kompetenter und schneller selbständig als die zu Hause behüteten. Andere Studien attestieren Kindern mit einer intensiven Bindung zur Mutter in den ersten drei Lebensjahren eine spätere besser Beziehungsfähigkeit und ein höheres Selbstvertrauen. Mit Expertenmeinungen kommen wir hier also nicht weiter.


Andere wettern, die Pläne von der Leyens für mehr Krippenbetreuung seien eine Diskriminierung der Nur-Mutter und rufen, die Wahlfreiheit stehe auf dem Spiel. Dabei will ja die Familienministerin eben gerade für diese sorgen: für mehr Freiheit der Frau, das tun zu können, was sie selbst für richtig hält – arbeiten oder nicht und das trotz oder wegen Kind.


Dass viele Frauen gar keine echte Wahl haben, wird wenig diskutiert. Wo ein Einkommen der Familie nicht genügt, muss die Mutter zusätzlich das Brot mitverdienen und währenddessen von anderen ihre Kinder betreuen lassen – ob sie will oder nicht.


Der Ökonom rechnet lieber und kalkuliert ganz leidenschaftslos: Warum nicht die 1.000 Euro, die ein Krippenplatz pro Monat offensichtlich kostet, direkt den Eltern auszahlen? Nur das sei wirkliche Wahlfreiheit. Dann nur könnten die Eltern wahrhaftig frei entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Krippe geben wollen (und dafür bezahlen) oder eine Tagesmutter, Kinderfrau oder die Oma für dasselbe Geld beschäftigen. Oder ob eben einer der Eltern selbst zu Hause bleibt und das Kind versorgt statt arbeiten gehen zu müssen.


Ums Geld dreht sich ohnehin alles. Das fehlende Geld beweist sich nun auch als das schlussendliche Totschlagargument aus den eigenen Parteireihen, das die Krippenpläne erst mal auf Eis gelegt hat. Man solle gefälligst erst mal errechnen, wieviele Krippenplätze gefragt sind, bevor man Geld ausgebe, das ohnehin nicht da sei.

 

Doch ums Geld geht es nur vordergründig. Immerhin hatte man im Koalitionsvertrag bereits eine Verdoppelung der Krippenpätze beschlossen – das sind eben auch 500.000 neue Plätze (statt von der Leyens 750.000), die Geld kosten. In Wahrheit empfindet man von der Leyens Pläne als eine Provokation der traditionellen Rollenverteilung – und so entzieht man ihr aus eigenen Reihen kaltlächelnd die Unterstützung. Die CDU lässt Ursula von der Leyen ziemlich im Regen stehen mit ihren Bemühungen, in die Familienpolitik frischen Wind zu lassen. Und die SPD reibt sich hämisch die Hände.


Was wirklich auf dem Spiel steht, ist die Solidarität der Frauen. Statt jedem sein privates Glück nach eigenem Gusto zu gönnen und möglichst vielschichtige Varianten zu fördern, beäugen sich die Frauen nun wieder misstrauisch und üben sich erneut in alten ideologischen Grabenkämpfen um das richtige Mutti-Modell.

 


Wenn die Muttis sich bekriegen, vielleicht sind ja die Vatis dann die Lösung? Wie wär's mit dem neuen Mann? Hier geht’s zur Stellenausschreibung  - Vati wird’s schon richten..



Alles Gute zum Frauentag!!