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Die schöne, heile Welt war anders - Enid Blyton

Wie rosarot und seicht darf Kinderliteratur sein? Die BBC verbannte die Erfolgsautorin lange wegen Mittelmäßigkeit und zu schlichter Weltanschauung auf die schwarze Liste.

Von: Bärbel Kerber

vom 07.12.09

 Jetzt hat der Sender mit einem Fernsehfilm versucht, Enid Blyton auch in aller Widersprüchlichkeit zu porträtieren – als Autorin mit Charme und monströsen Zügen.

 

Die Welt im Weichzeichner, das war ihr Spezialgebiet. Millionen Kinder liebten und lieben Enid Blyton dafür – oder zumindest ihre Charaktere „Hanni und Nanni“, „Die fünf Freunde“, „Noddy“ und so viele mehr. Doch die BBC, sowie viele Erwachsene, sahen in diesen Werken vor allem eines: Schwarz-Weiß-Malerei, Sexismus, versteckten Rassismus und „Dünnbier“ von „geringem literarischen Wert“. Weshalb sie Blyton schlichtweg boykottierten. "There is rather a lot of the Pinky-winky-Doodle-doodle Dum-dum type of name ... in the tales," urteilte Jean Sutcliffe von der BBC in einem internen Memo .

 

Nicht nur ihre Bücher, auch ihre Person waren umstritten. So sonnig und unkompliziert ihre Geschichten, so dunkel und zerrissen gebärdete sich die Autorin offensichtlich zu Hause. Größte Kritikerin war ihre jüngste Tochter Imogen. „Sie benahm sich wie ein Kind und konnte boshaft sein wie ein Teenager,“ erinnert sich diese. Nun wurde das Leben ihrer Mutter verfilmt - von der BBC.


Helen Bonham-Carter, die in dem Film Enid Blyton verkörpert, hat sich viel mit der zwiespältigen Anziehungskraft Blytons auseinandergesetzt, und sagt: “Reading Noddy to my son Billy I see that he loves it because it’s not complicated and it gets to the point. She had an instinct for simple story types. She said children want familiarity, they want reassurance.”


Können also diese Bücher wirklich schaden? Oder treibt dieser Verdacht nur politische Korrektheit auf die Spitze? Um Enid Blyton gerecht zu werden, müsste man eine Menge von Kinderbüchern mit denselben strengen Maßstäben beleuchten. Wie viele Bücher und Zeitschriften müssten dann fairerweise dasselbe vernichtende Urteil über sich ergehen lassen?


Es gäbe viel Geschriebenes, Gedrucktes, das so durchfallen würde. Viele Märchen beispielsweise. Die Frage, was man seine Kinder lesen lässt oder nicht, sollte nicht verdrängen, dass das gelebte Rollenvorbild viel maßgeblicher für deren Entwicklung ist. Und dass Kinder, die selbst schon lesen können, alles lesen können und sich im Zweifel selbst Zugang dazu verschaffen. Und sollte man ihnen nicht ruhig zutrauen, selbst zwischen Realität und Fiktion auch unterscheiden zu können?

 

 

 

 

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Fotonachweise:

 

1. The History Press Ltd.

2. Egmont Franz Schneider Verlag

3. Warner Vision Germany