War was?

:: Die Woche :: 01.03. - 07.03.2010

Kraft ihrer Wassersuppe oder weil grad Wahlkampf ist? - Gipfel der Ernüchterung - Drum lobet, wer sich ewig bindet - Der Oscar wird eine Frau.

Manchen steht das  Lebensmotto im eigenen Namen geschrieben - Frau Kraft beispielsweise, die SPD-Chefin in Nordrhein-Westfalen. Denn Kraft braucht die gute Frau angesichts der bevorstehenden Wahlen und der Ansichten, wie sie sie im Spiegel formulierte. Quintessenz: Langzeitarbeitslose sollen eine Perspektive auf dem Markt der Arbeit erhalten, um ihnen ein würdevolles und gesellschaftlich akzeptiertes Leben zu garantieren. Ihnen sollen vornehmlich gemeinnützige Tätigkeiten angeboten werden, dafür sollen sie mehr als 1 Euro pro Stunde Bezahlung erhalten, Sozialbeiträge leisten können - und: Sie sollen keine bestehenden Arbeitsplätze gefährden bzw. dazu in Konkurrenz treten. Liebe Frau Kraft - einen Spagat zu machen, dürfte nur im ersten Moment den wenigsten schwer fallen. Vor allem, wenn der nötige Schwung dahinter steckt. Aber können Sie diesen Spagat auch halten? Da wäre zum Beispiel der Kampf um den Mindestlohn. Sowohl Kommunen als auch die Privatwirtschaft werden ab sofort Mindestlöhne zahlen und einen Teufel tun, eben jene Löhne an angestellte Mitarbeiter zu zahlen, deren Arbeit können doch die Langzeitarbeitslosen leisten. Denn wie durch ein Wunder wird sich die Gemeinnützigkeit als roter Faden durch alle Arbeitswelten schlängeln.

 

Sagt Ihnen die Zahl "1325" etwas? Wenn ja, dann fühlen Sie sich hiermit virtuell bewundert. Dass gerade im Vorfeld des 100-jährigen Bestehens des Internationalen Frauentages diese Zahl wie ein geheimer Code durch unsere Alltagswelten defilierte, ist der Tatsache geschuldet, dass hinter dieser Zahl eine UN-Resolution steckt. Es geht um die Sicherheitsresolution der Vereinten Nationen zu Frauen, Frieden und Sicherheit. Wie wichtig diese Resolution und ihre tatsächliche Umsetzung ist, lässt sich an den Verlautbarungen zweier vollkommen verschiedener Institutionen erkennen. Zum einen der Bundesregierung und hier insbesondere dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, abgekürzt Herr Niebel. Und zum anderen Frau Svensson, schwedische Leiterin der Gleichstellungskommission des EU-Parlaments. Während Herr Niebel, bekannt für seine knackig liberale Offenheit, den Frauen auch weiterhin seine breite Unterstützung zusichert und im Zusammenhang mit dem 3. Milleniumsziel des Bundesministeriums die Resolution 1325 erwähnt, spricht Frau Sevensson vom "Gipfel der Ernüchterung" - und meint die Abschlusserklärung des tatsächlich noch laufenden Treffens der UN-Frauenrechtskommission. Darin wird- ebenso knackig und offen- in wohlmeinende Formulierungen eingekleidet, was man als Außenstehender als Stagnation bzw. Rückschritt der Gleichstellung der Frauen in der Welt bewerten könnte. Ach, übrigens: Ausgangspunkt des Gipfels war die Revision der Umsetzung der Resolution 1325.

 

Auch wenn es der einen oder dem anderen aus dem Halse hängen sollte: Eine Frau ist Bundeskanzlerin in Deutschland. Und das ist erstmal gut so. Was die Bundeskanzlerin und der schwule Bürgermeister Berlins gemeinsam haben, ist die Kritik an ihrem Führungsstil. Während aber den einen die scheinbar überbordenden Testosterone plagen, kämpft Angela Merkel mit dem niederschmetternden Image der Abduckerin. Zwar sind ihre Meidbewegungen in Koalition und Partei mittlerweile sagenumworben. Nichtsdestotrotz würden die schreibende Öffentlichkeit und die tätige Bevölkerung es lieber sehen, wenn die Bundeskanzlerin das Versteckspielen den Abgeordnetenkindern im Bundestagskindergarten überlassen würde. Orientierungslosigkeit, Konzeptlosigkeit, handwerkliche Fehler. Die Liste sollte nicht länger werden, sonst verliert die CDU neben dem Sponsoring auch noch die Spendengelder ihrer Klientel. Zwar zeigten sich die Wirtschaftsvertreter aufgeschlossen gegenüber der Selbstkritik der Kanzlerin. Aber das machen die Vorstände in den Fußballvereinen auch immer so - bevor sie den Trainer dann doch entlassen.

 

In dieser Nacht könnte sich Historisches anbahnen. "The Oscar goes to . . . " wird es wieder heißen, und eine Regisseurin könnte erstmals in der 82-jährigen Geschichte Film-Hollywoods die wohl am meisten ersehnte und gehasste Trophäe der Neuzeit überreicht bekommen. Kathryn Bigelow heißt vielleicht die Glückliche. Der künstlerische Wettstreit, den sich die Nominierungen eigentlich mit den Ergebnissen ihrer Arbeiten liefern sollen, könnte nicht nur aufgrund der möglichen Preisträgerin ein Politikum werden. Ihr Film "The Hurt Locker" ist sowohl in der Thematik als auch in der filmischen Umsetzung ein Statement, das das politische Hollywood der Bush-Administration schon vor einem Jahr gern entgegen geschleudert hätte. Dass Frau Bigelow mit ihrem Film gegen den neuen Kassenerfolg ihres Ex-Ehemannes James Cameron antritt, sollte also nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier um ein Stückchen Vergangenheitsbewältigung geht - oder um die artifizielle Flucht vor derselben.