War was?

:: Die Woche :: 02.04. - 08.04.2007

Jan Ullrich ist nicht mehr unser Ulle. Die Ukrainische Revolution frisst ihre Kinder. Britische Soldaten werden aus der Gefangenschaft entlassen. Keith, das kannste in der Pfeife rauchen. Politikerinnen, zumal regierende, sind beliebt wie lange nicht. Danke Benedikt. Und nun?

Von: Christoph Jander, Foto: stock.xchng

vom 08.04.07

Ulle ist nicht mehr. Nach all dem Ziehen und Zerren um die Fakten, scheint das letzte Rennen des Jan Ullrich gefahren, ohne dass dieser noch einmal richtig angetreten ist. Aber es gibt immer einen Retter am Horizont. Fragt sich nur, ob dieses Gekungel und Geschiebe um die jeweils eigene Person ins rechte Licht zu rücken, auch Aufklärung und Läuterung verschafft. Und was wird mit all den anderen, unschuldigen, hinters Licht geführten oder vom "Onkel" verführten Fahrer?


Derweil das müde und immer lächerlichere Spektakel um die gestürzten Helden seinen Fortgang nimmt, scheinen die Helden der Orangenen Revolution in der Ukraine ebenfalls unter die Räder der fortschreitenden, blaubeflaggten Geschichte zu geraten. Was im ersten, unbedachten Moment wie ein Farbenstreit anmutet, ist in der Realität die vielgestaltige und grässliche Fratze des Machtkampfes von gesellschaftlichen Eliten, deren Bauernopfer die Menschen auf der Strasse werden könnten.


Als sie denn landeten, die Soldaten, war nicht nur Grossbritannien in glücklicher Begeisterung benommen - das Aufatmen war in ganz Europa zu spüren. Also kein Krieg im Kriegsgebiet. Dabei sind der Anlässe genügend vorhanden. Und vorbehaltlich einer kriegerischen Intervention wurde ja auch schon mal gedroht. Und nun? Der Streit geht weiter und man fragt sich ernsthaft, ob es dieser Herzlosigkeiten bedurfte, um dieses Medientheater inszenieren zu können.


Apropos Medientheater: Als bekannt wurde, dass die Rolling Stones für die nächsten sieben Jahre alle grossen Stadien in dieser Welt für Abschiedskonzerte gebucht hätten, konnte man das noch als gelungenen PR-Gag zum 1. April belächeln. Aber den "Scherz" von Keith Richards sollte man dann schon eher in der Pfeife rauchen.


Dass Deutschland nicht mehr nur von einer Frau regiert wird, hat sich mittlerweile nicht nur herumgesprochen, sondern findet zunehmend allgemeine Zustimmung. Vielleicht wirkt die Erfahrung, dass wenn Frauen für sich und das ganze anderes Gedöns zuständig sind, die Republik erwachsener wird und Wachstumschancen nicht nur eine Frage der Bilanzen ist und so mitnichten nur die Wirtschaft betreffen können.


Zum guten Schluss: Der Papst hat, wie jedes Jahr, mit seinem Segensspruch Urbi et Orbi allen die guten Willens waren, den vollkommenen Ablass ihrer Sündenstrafe gewährt (jedenfalls all jenen, die die rechte Haltung zum rechten Augenblick einnahmen). Was er dabei zu sagen hatte, erinnerte schmerzhaft an die eigene Ohnmacht, die mancher von uns angesichts der Übel dieser Welt verspürt.