War was?

:: Die Woche :: 02.10. - 09.10.2009

Lieber Mister President - Bürgerliche aller Lager, koaliert euch - Der schale Beigeschmack der Macht - Im Netz der Netze gefangen

Die einen bekommen Anerkennung und Zuneigung für ihre wertvollen Leistungen im Dienste der Menschen und unseres Planeten Erde. Zum Beispiel den Friedensnobelpreis. Andere erhalten diesen Preis als Ermutigung, als Unterstützung für bereits geleistete und noch zu leistende Entscheidungen. Barack Obama erhielt den Friedensnobelpreis wegen seiner "extraordinary efforts to strengthen international diplomacy and cooperation between peoples", wie es in der Begründung des Komitees heißt. Weit mehr, als es das ikonographierte Präsidentenvorbild John F. Kennedy jemals war, ist Obama "the world's leading spokesman", ein lebender Heilsbringer. Betrachtet man seine bisherigen Verdienste ,den Abbau des Raketenschildes, die Vermittlungsversuche im Falle Palästina-Israel , dann kommt nicht viel Konkretes zusammen. Eigentlich hat Obama sich in vielen direkt zu beantwortenden Fragen einer Antwort enthalten - etwa bei den Initiativen zum Umweltschutz, mit Blick auf das Guantanamo-Gefängnis, bei der Regulierung der Finanzmärkte. Und es ist auffällig, dass es (letztendlich auch in der Begründung des Nobelkomitees) um Stimmungen geht, um die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft, um die Verständigung auf das Gemeinsame. "The Committee endorses Obama's appeal that 'Now is the time for all of us to take our share of responsibility for a global response to global challenges.'" Der letzte Satzes des Komitees lässt den Verdacht aufkommen, dass auch die Jury des Nobelpreises dem Charme Obamas erlegen war. Oder dass keine andere Kandidatin respektive kein anderer Kandidat in Frage kam. Wie dem auch sei, lieber Mister President, es ist Zeit. Die Welt wartet. Übernehmen Sie Verantwortung!

 

Können Sie sich noch an den Wahlkampf erinnern? Sie wollen wissen, welcher Wahlkampf gemeint ist? Na, der Wahlkampf 2009. Deshalb sitzen doch die Koalitionsspitzen der CDU/CSU und die kapriziösen Spitzenpolitiker der FDP am Verhandlungstisch. Und verhandeln, aber konstruktiv. Das ist doch mal eine Augenweide nach dem Gezerre in der großen Koalition, diesem ewigen Zanken und Betrügen. Partnerschaftliches, konstruktives Sich-gegenseitig-nicht-Wehtun. Zum Beispiel in Fragen der Haushaltskonsolidierung. Oder in Fragen der Steuersenkung. Bei der Gesundheitspolitik. Die Pressekonferenzen der Generalsekretäre sehen jeden Tag ein wenig mehr wie ein Spitzbubentreffen aus. Und alles wird Suppa. Leider muss Sie der Autor des Artikels enttäuschen, wenn es um solch nebenläufige Themen wie Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Unterstützung von Familien und Lebensgemeinschaften mit Kindern geht. Tja, Sie wissen ja, wie das ist: Die nebenläufigen Themen kosten Geld und wirken sich erst in der Zukunft aus. Hier geht es aber um die Gegenwart und die nächsten 4 Jahre - und für die versprochenen Steuersenkungen müssen erst einmal neue Scheine gedruckt werden. Das schafft auch neue Arbeitsplätze. Und darum geht es doch in diesem Land. Um Arbeitsplätze und Kompetenz im Umgang mit Geld.

 

Der Spieler geht nicht über Los und zieht keine 4000 Euro ein - das mag Silvio Berlusconi gedacht haben, als er von der Aufhebung seiner Immunität durch den italienischen Gerichtshof erfahren hatte. Gesagt freilich, hatte er anderes. "Viva Italia, viva Berlusconi." Im Kontext der schwebenden Verfahren gegen Berlusconi klingt das ein wenig dreist und gehörig größenwahnsinnig. Die Repliken des smarten Klavierspielers gegen das Verfassungsgericht Italiens und den Staatspräsidenten Neapolitano beschädigen dabei nicht nur die Institutionen, sondern bereiten auch den Boden für die Missachtung des demokratischen Systems in Italien. Die aufkommenden Herbststürme werden Italien nicht nur zerzauste Haare bescheren - die Kampfansage Berlusconis wird das italienische Wählervolk schmerzhaft und unversöhnlich spalten. Als der Entertainer auf dem Parkett der europäischen Politik das eine oder andere Mal die Hüllen des Anstandes fallen lassen musste, war er ein Star auf den Seiten des Boulevards. Ein korrupter und korrumpierender Staatschef dagegen wird der schwarze Fleck auf der Weste der europäischen Regierungsoberhäupter sein.

 

Die Gefahren des Internet sind allen bekannt - nur nicht immer gegenwärtig im Augenblick der Nutzung. So verursachte die Mitteilung Microsofts, dass einige tausend Hotmail-Konten frei zugänglich seien, zwar ein wenig mediale Aufregung. Aber als dann auch die Kontrahenten Google und Yahoo gleiches vermeldeten, schüttelten die Politiker ihre weisen Häupter nur leise und erhoben hier und dort den Zeigefinger. Die Experten versuchten Zeter und Mordio zu schreien. Da war die neugierige Menge schon auseinander gelaufen. "Was soll's? Ich hab nichts zu verbergen." Haben Sie das auch schon gedacht? Dann legen Sie mal schnell 4800,00 € auf die hohe Kante - am besten in Ihren Sparstrumpf, den Sie immer mit sich herumtragen. So hoch ist der Schaden im Durchschnitt, den ein Betroffener zu erwarten hat beim Missbrauch seiner Daten. Was Sie übrigens nicht bezahlen können, sind die Verletzungen, die Ihnen durch öffentliche Zurschaustellung, Mobbing oder anderen Missbrauch Ihrer Privatsphäre beigebracht werden können. Durch das Internet kann Ihr kleines süßes Geheimnis schnell einen giftig-bitteren Beigeschmack bekommen.