War was?

:: Die Woche :: 03.04. - 10.04.2009

Abrüsten und Abwracken – Krisen und Krisenmanager – Eherecht oder eher Unrecht?

Bisher träumte man fast nur auf Ostermärschen noch von einer atomwaffenfreien Welt – ist das nun vorbei? Barack Obamas Prager Rede wurde hell umjubelt und viel diskutiert: Der US-Präsident sprach sich auf seiner Europareise für den Abbau von Kernwaffen weltweit aus und kündigte an, bald schon mit Russland erste konkrete Schritte dazu auszuhandeln. Ein schöne Idee – aber völlig unrealistisch, leider? Nun, zumindest zwingt der Irrsinn eines möglichen nuklearen Overkills auf unserer Erde ja durchaus dazu, auch neue Wege zur Stabilität jenseits von Schreckensbalancen zu suchen. Was natürlich nicht heißt, dass Obama es mit seiner neuesten Version von „Yes, we can!“ deshalb in irgendeiner Weise gleich leichter hätte. Nein, längst sagen auch andere „Ja, wir können auch!“, etwa Staaten wie Nordkorea oder der Iran, die gerade erst aufbrechen und mitspielen wollen – im Konzert der Atommächte, um dort den Weltfrieden mit vergeigen zu dürfen. Obamas Vision wäre gerade mit Blick auf die Gefahren, die hier drohen, eigentlich ein gar nicht so dummes Mittel. Zumindest kann sie Diktatoren und andere politische Hasardeure viel besser ausbremsen und auch in Zugzwang bringen – mit einem klaren Atomwaffenverzicht für alle.

Während die einen über Abrüstung nachdenken, machen die anderen mit dem Abwracken erst einmal weiter: Gerade hat sich die Bundesregierung  entschieden, weitere 2,5 Milliarden Euro für den subventionierten Kaufrausch im Lande locker zu machen. Das ist viel Geld, was mittlerweile immer heftiger in die Kritik gerät: So warnen Experten verstärkt vor den Marktverzerrungen, zu denen dieses „Wunder auf Pump“ führe (und den Folgen, die angeblich nun schon zu beobachten seien). Andere empören sich über das großzügige Ostergeschenk, das nicht nur der Autobranche diene – sondern vielleicht ja auch dem Bürger helfe, auf dem nächsten Wahlzettel sein Kreuzchen richtig zu setzen. Und mittendrin gibt es Stimmen, die den „Abwrackwahn“ sogar psychologisch deuten: als einen Fall von kollektiver Krisenverleugnung nämlich: „Es ist ein Gefühl der Genugtuung und emotionalen Entschädigung für die letzten Jahre, in denen man unter der finanziellen Kälte des Staates gelitten hat. Die Abwrackprämie wirkt wie ein warmer Regen, der der von Sparministern geschundenen Seele unwiderstehlich schmeichelt.“, erklärte der Psychologe Dirk Weller gerade in einem „taz“-Interview. Abenteuerlich, oder?  

Apropos: Verleugnen ist ja bekanntlich auch eine besondere Stärke von Silvio Berlusconi. Jedenfalls wenn es um Konflikte geht, die ihn heillos überfordern: Gerne flüchtet der italienische Politiker sich dann ins Possenreißen, was ihm bereits viel Ärger bescherte. Man könne Vergewaltigungen nicht verhindern, meinte er erst kürzlich, denn dazu bräuchte man viel zu viele Soldaten – „weil unsere Frauen so schön sind“. Ein verbale Entgleisung, und natürlich nicht die letzte. Denn gerade nun legte der Medien-Mogul, der so oft prompt mit einem Fuß im Fettnapf steht, sobald er den Mund auch nur aufmacht, nach: Während nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien viele Menschen um ihre Angehörigen trauern und mit dem Verlust ihres Daches über dem Kopf fertig werden müssen, besuchte Berlusconi eines der Notzeltlager und sagte über die Situation dort: „Man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende“. Den Leuten fehle es schließlich an nichts, sie hätten warmes Essen und seien medizinisch versorgt. Und dass es etwas provisorisch drum herum zugehe … Wer möchte da nicht denen Recht geben, die in diesen Tagen munkeln, das Erdbeben selbst sei für Italien die eine Katastrophe. Eine ganz andere aber der Mann, der hier das Krisenmanagement führen sollte – und stattdessen mal wieder nur dummes Zeug redet.  

 

Für heftige Proteste sorgte in der vergangenen Woche aber auch ein neues Ehegesetz, das in Afghanistan hätte in Kraft treten sollen – und das im Westen als „Kniefall vor den Taliban“ gewertet wurde. Präsident Hamid Karsai stoppte nun vorerst das fragliche Gesetz, das die Freiheiten schiitischer Frauen grundlegend hätte einschränken können: Um das Haus allein zu verlassen, hätten diese die Erlaubnis ihres Ehemanns gebraucht. Der wiederum sollte Sex als ein eheliches Recht verbürgt bekommen: Eine Frau sei dazu verpflichtet, „den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit nachzukommen“ – mindestens alle vier Tage, so sah der Entwurf es vor. Ein Freibrief für Vergewaltigung in der Ehe, wie international von allen Seiten scharf kritisiert wurde? Karsai, der das neue Gesetz eigentlich schon unterzeichnet hatte, nun aber den Entwurf noch einmal überprüfen lassen will, reagierte ausweichend auf die Vorwürfe und verwies auf schlechte Übersetzungen und „Missverständnisse“ in der Interpretation. Im August steht eine neue Präsidentenwahl in Afghanistan an. Hatte Karsai gehofft, mit einem Rückfall in anachronistische Zeiten unter den zehn bis 20 Prozent der Stimmen im Lande, die schiitisch sind, Anhänger zu gewinnen, wie zu vermuten ist?