War was?

:: Die Woche :: 03.07. - 08.07.2009

G8 im Erdbebengebiet – Chinas Uiguren - Die Lance-Show - Der heilige Michael

Auf dem G8-Gipfel in L'Aquila war viel vom Klimaschutz zu hören, wenig aber bisher von der Wirtschaftskrise und was man dagegen zu tun plant. Ein Ablenkungsmanöver? Nur ein Placebo? Oder der Tatsache geschuldet, dass man erkannt hat, wie wenig hier Absichtserklärungen nützen ohne das Zutun der großen Schwellenländer oder der finanzstarken Erdölländer? Nun scheint die  Erweiterung der G8 auf G20 ja tatsächlich Form anzunehmen. Und zu den unangenehmen Themen, Finanzkrise, Iran u.a., wird es in der 8er-Runde wohl kaum substanzielle Entscheidungen, sondern nur wortkarge Formulierungen geben. Nebenbei wird Gastgeber Italien nervös, weil nicht mehr Ernst genommen. Dies hat das Land Regierungschef Berlusconi zu verdanken (und solange das Volk ihn nicht zum Rücktritt zwingt, auch sich selbst, schreibt der Guardian). Verrechnet hat dieser sich auch mit der Strategie, den Gipfel kurzerhand im Erdbebengebiet in den Abruzzen stattfinden zu lassen. Denn die Erdbebenopfer dort sind sauer und wollen sich nicht als PR-Mittel missbrauchen lassen. Und ebenso wenig als Stillhalte-Puffer gegen potenziell randalierende Gipfelgegner. Erbost sind sie zu Recht – denn während rasch für die Gäste der Flughafen ausgebaut und die Zufahrtstraßen erweitert wurden, heisst es für die Bewohner immer noch „Yes, we camp“.


Tote, Massenverhaftungen, Internet-Sperren und Pressezensur – die chinesische Führung setzt auf das einzig ihr bekannte Instrumentarium zur Eindämmung eines regionalen Konflikts. Die blutigen Unruhen in der nordwestlichen Provinz Xinjiang zeigen manchem zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit, dass Chinesen nicht gleich Chinesen sind. Und dass es neben den Tibetern noch andere ethnische Minderheiten in China gibt. Erstmals sind die Uiguren im Zentrum der Weltöffentlichkeit. Was sie wollen, ist faire Gleichbehandlung, auf Augenhöhe mit den Han-Chinesen. Pekings Machthaber antworten mit Härte und Gewalt. Und bereiten damit vermutlich überhaupt erst den Nährboden für die Unabhängigkeitsbewegung, die sie so fürchten.


Da rollen, strampeln und schwitzen sie wieder. Und Armstrong geriert sich mit übergroßem Selbstbewusstsein nach drei Jahren Pause zur Lichtgestalt der diesjährigen Tour. Dass allen Doping-Skandalen, insbesondere des letzten Jahres zum Trotz, die Tour de France wieder zum Publikumsmagneten auf Frankreichs Strassen und den TV-Geräten weltweit wird, das ist, nein, nicht wirklich erstaunlich. Denn Doping gab es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon immer im Radsport. Und während sich die einen daran zu gewöhnen scheinen, überwiegt beim Rest wie jedes Jahr zur Tour-Zeit der Wille, „sich um der Unterhaltung willen betrügen zu lassen“, die Empörung. Dass dabei Lance Armstrong so unbehelligt die Regeln der Tour für sich ausdehnen oder gar überschreiten kann und sich dann noch breit grinsend in den Medien präsentiert, liegt daran, dass, „die Instanzen, die Armstrong bremsen müssten, von seiner Präsenz profitieren“. Gänzlich andere Kreise hoffen jetzt schon auf seine Medienwirkung - hinter vorgehaltener Hand werden ihm politische Ambitionen nachgesagt. Was sein Gebaren für die Politik bedeutet, darf sich hier jeder selbst vorstellen. Die Dopingkontrolleure im Radsport könnten sich derweil von der neuen Praxis des Eislaufweltverbandes ISU etwas abgucken.

 

Jacksomania all over? Nicht überall. Auch Obama widersteht dem Trend der posthumanen Quasi-Heiligsprechung Michael Jacksons. Bei all dem quotenhitverdächtigen TV-Spektakel, in das sogar die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender verfielen, konnte man fast schon die kritischen Stimmen überhören. Jene, die ganz bewusst Jackson nicht als „das“ Rollenmodel eines erfolgreichen Afroamerikaners feiern wollen. Gründe dafür, sich vom Hype um ihn zu distanzieren, gibt es genug. Sein absonderliches Leben war urplötzlich- wie abgesprochen- verdrängt und vergessen. Und nur so konnte die Trauerfeier als ein Medienspektakel inszeniert werden, das fast an die Mondlandung erinnerte.