War was?

:: Die Woche :: 03.10. - 09.10.2008

Ein Tag, ein Tag-so schön wie heute - Ich will wieder die soziale Marktwirtschaft zurück - Christa Reinig ist tot - An Sarah scheiden sich die Geister

Jetzt sind es bald 19 Jahre her, dass in Ost-Berlin Herr Schabowski seine berühmte Pressekonferenz abhielt, während die Leipziger eine heiße Sohle hinlegten in der heimlichen Hauptstadt der Wiedervereinigung. Und seit 18 Jahren ist Deutschland wiedervereint. Im Rückblick scheint es eher eine Wiederverheiratung als eine Familienzusammenführung gewesen zu sein. Und so konnte man erstmals in der einen oder anderen offiziellen Rede von Partei- und Staatsführung den einen oder anderen kritischen Unterton hören. Was weiterhin unerwähnt blieb, ist der andauernd hohe Unterschied in der Arbeitslosenquote hier und da, die fehlende Angleichung der Einkommen und die weithin noch verbreitete küchenpsychologische Katalogisierung jedes Einzelnen von uns: Der ist halt ein Ossi. - Typisch Wessi. Traurig war an diesem Tag, dass die offiziellen Feierlichkeiten in Hamburg wie eine vorgezogene Wahlveranstaltung der CDU anmuteten.

 

Alle reden von der Finanzkrise, die ja eigentlich eine Weltwirtschaftskrise ist (opps, jetzt hab ich's gesagt), aber keiner hat ein Heilmittel dagegen. Angesichts der neuesten Entwicklungen fällt mir als DDR-sozialisierter fast Mittvierziger wieder dieser blöde Spruch vom faulenden und sterbenden Kapitalismus ein. Will sagen: Ideologien helfen heutzutage nur im Smalltalk mit dem Nachbarn. Für alles andere brauchen wir konkretes Handeln. Und nicht ganz so allgemein, wie es die US-Amerikaner und auch ein Teil der Europäer mit ihren gigantischen Rettungsplänen vorführen. Löcher stopfen im Fischernetz. Und wir brauchen auch keine Versprechen, die in wenigen Tagen oder Wochen oder Monaten zu peinlichen und folgenschweren Versprechern mutieren. Ach ja, und die soziale Marktwirtschaft - die hätt' ich dann gerne auch wieder gehabt.

 

Was wohl Christa Reinig zu diesem ganzen Schlamassel gesagt hätte? Die Schriftstellerin, die stets ein kritisches Auge auf misswirtschaftende Männer (ob Ost, ob West) hatte und mit einem an Brecht geschulten Bänkelsängerton der feministischen Literatur ihrer Zeit wichtige Impulse gab, ist im Alter von 82 Jahren (und weitgehend in Vergessenheit geraten) gestorben.

 

Die Kommentare vor dem Fernsehduell zwischen Sarah Palin und Joe Biden waren eine Mischung aus hämischer Vorfreude und voyeuristischem Zucken ob der wahrscheinlichen Peinlichkeiten, die Sarah Palin im Vorfeld des Fernsehduells angedeutet hatte. Nun, das war dann wohl eher nix. Sarah Palin hat das politische Establishment in Gestalt von Joe Biden durch geschickte Anpassung überrascht. Eine kurze und fiktionale Zusammenfassung des gesamten Fernsehduells ist hier zu finden. Damit der Vize-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner nicht doch noch der Weg ins Weiße Haus gelingt, bildet sich nunmehr eine landesweite Allianz prominenter Palin-Verweigerer, deren lautes Einverständnis über die Unzulänglichkeit der Sarah Palin sie zusammenführt. Dass die Abneigung schier körperlich spürbar ist, lässt sich an Auftritten von Matt Damon oder Äußerungen von Linsay Lohan und Madonna sicher ablesen.