War was?

:: Die Woche :: 04.01. - 10.01.2008

Gates geht - Hillary heult – Koch krawallt – Stars streiken – und Jubilare, Jubilare...

Der „PC-Übervater“ geht in Rente. Bill Gates hatte seinen letzten Auftritt mit seiner Firma und wird lieber Weltverbesserer. Okay, ein bisschen wird es noch dauern - bis zum Sommer 2008 - bis sich Gates sich fast vollständig aus seiner Führungsrolle bei Microsoft zurückgezogen hat. Einer der reichsten Menschen der Welt hat mit 52 Jahren genug und will sich künftig verstärkt seiner wohltätigen „Bill and Melinda Gates Stiftung“ widmen. Also ist sein Bewerbungsvideo doch nicht ernst gemeint...? Gates war und ist eine umstrittene Persönlichkeit. Doch zu seinem Abschied wird ihm vor allem Anerkennung entgegengebracht.


Die stimmenmäßige wie emotionale Achterbahnfahrt der US-Präsidentschaftskandidaten hat es in sich. Und so kommen die Tränen, die Hillary Clinton angesichts einer Niederlage verdrückt, sehr menschlich. Weil sie danach so prompt wie überraschend bei den nachfolgenden Vorwahlen in New Hampshire dann als strahlende Siegerin abräumte, legt ihr manch einer ihre TV-Emotionen als inszenierte Wahlkampftaktik aus. Vielleicht half auch, dass bessere Häfte und “First Lady in spe“ Bill den Konkurrent Obama ordentlich attackierte. Vielleicht träumt er ja auch an Hillarys Seite von einem „Zurück in die Zukunft“? Wirklich entscheidend wird es am 5. Februar, wenn in 22 Bundesstaaten gleichzeitig Vorwahlen am Super-Dienstag stattfinden. Und dann wird sich auch zeigen, ob Bloomberg wirklich eingestiegen und sein Geld gut angelegt ist.


Roland Koch hat ein neues Wahlkampfthema entdeckt, das die Leute nun noch mehr aufbringt: Jetzt schießt sich Hessens Ministerpräsident auf die Ausländer unter den kriminellen Jugendlichen ein, behauptet diese seien zur Hälfte für jugendliche Strafdelikte verantwortlich und fordert eine schnellere Abschiebung. Dass Jugendgewalt zweifellos ein wichtiges Thema ist, gerade weil es die Bürger bewegt und es nicht einem Polarisierer wie Koch überlassen werden darf, haben auch Frank Plasberg und Anne Will erkannt (ohne sich mit ihren Sendungen zu Wahlkampfhelfern zu machen). Und dass es ein schönes Parade-Beispiel dafür ist, wie weit manchmal Dichtung und Wahrheit in den Aussagen der Politiker auseinander liegen, hat die Süddeutsche Zeitung gekonnt nachgerechnet. Ab in den Mathenachilfekurs, Herr Koch. Einer, der auch gegensteuern will, ist ausgerechnet Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der sich nun zu Wort meldet und als „grober Klotz auf den Keil Kochs“ wirken soll. Nun gut, wenn es denn hilft, die Polemik Kochs aufzuweichen. Migranten-Verbände kritisieren Koch scharf als Brandstifter.


Die "Golden Globe"-Filmpreisverleihungen werden dieses Jahr ohne Glanz und Glamour auskommen müssen. Die Drehbuchautoren Hollywoods streiken für einen bessere Bezahlung und die Schauspieler zeigen sich solidarisch und haben keine List auf roten Teppich – bis die Filmstudios einlenken. Jetzt bangt die ganze Industrie, weil evt. auch die Oscarverleihung demnächst fad und öd werden.


Zweimal 100 – Wilhelm Buschs Todestag jährte sich zum 100. Male und Simone de Beauvoir wäre 100 Jahre alt gworden. Und doch sind beide aktueller als mancher meint. Weil „Max und Moritz“ heutzutage wohl Kandidaten für ein Erziehungscamp gewesen wären und Erzieher Bökelmann „eine Art fröhlicher Bootcamp-Wärter“. Und Beauvoir dient, obwohl sich seit „Das andere Geschlecht“ von 1949 die Situation der Frauen schon so nachhaltig verbessert hat, noch heute als Vorbild der Emanzipationsbewegung – weil so vieles noch unerledigt. Wir verneigen uns in Gedenken an einen großartigen Dichter, Maler, Misantrophen und eine ungewöhnliche Feministin, die Bücher geschrieben hatte, die die Welt veränderten.